Archiv der Kategorie: Kolumne

In feinstem Reichskristall kredenzt

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sport-Club: Heimspiel am 09.11.18 gegen Team Wiener Linien

Heute kommt das Team Wiener Linien. Willkommen! Und es ist der 9. November. Zum 80. Mal jährt sich heute die sogenannte “Reichskristallnacht”.

Allein in Wien wurden 4.000 jüdische Geschäfte geplündert. Etwa 30.000 Jüdinnen und Juden wurden in Konzentrationslager gesperrt – in einer Nacht. 1.400 Synagogen und Gebetsräume wurden zerstört. 400 Menschen fanden den Tod.

Damalige Medien legitimierten antijüdische Gräueltaten schon im Vorfeld als “logische Konsequenz”. Logisch auch, dass dann fast 80 Jahre später zum Beispiel in Linz ein “Kongress der Verteidiger Europas” stattfand. Das wird man doch wohl noch veranstalten dürfen. Zwar hatten ausschließlich politisch nahestehende Medien Zugang, wir wissen aber, es war ein ganz gewöhnlicher Kongress.

In der Kantine gab es Holo-Kost, Reichs-Burger und Mineralwasser (entweder still oder vergast). Alles liebevoll kredenzt in feinstem Reichskristall. Friseure präsentierten die neuesten Frisurentrends für Skinheads. Für den musikalischen Rahmen sorgt der freiheitliche Gefangenenchor. Und später folgte Musik vom Plattenspieler, wobei die Teilnehmer die Wahl hatten zwischen 33 und 45. (Genau so war das. Wir können es nachweisen – Quelle: Internet)

Einer der Redner am Kongress bezauberte das Publikum sogar derart, dass es ihn später mit dem höchsten Amt im Bundesministerium für Inneres belohnte. Und jetzt boykottiert das offizielle Österreich den UN-Migrationspakt.

Aber irgendwann muss ja auch einmal Schluss sein. Jetzt sollen sie doch die Vergangenheit endlich ruhen lassen. Ja, bitte! Sollen sie Schluss machen mit geposteten Hakenkreuzen, verschickten Hitlerbildern, Liederbüchern, missinterpretierten Hitlergrüßen oder dem Fetisch, Schutzsuchende “entsprechend konzentriert an einem Ort halten” zu wollen. Wär uns auch lieber.

Denn dann könnte an diesem Abend zum Beispiel einfach ein haushoher Heimsieg gefeiert werden.

Come on, Sportclub!

95.000,- € Schutzgeld

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sport-Club: Heimspiel am 06.04.18 gegen FC Marchfeld Mannsdorf

Heute kommt Mannsdorf. Willkommen! Unlängst stellte sich also heraus, dass im Zuge des Baus des Krankenhauses Nord ein Esoteriker beauftragt wurde, “sämtliche natürliche am Grundstück vorhandene Energieflüsse wiederherzustellen und zu reinigen, alle nicht natürlichen Energieflüsse zu neutralisieren und eine Anhebung der Schwingungen auf das höchstmögliche Niveau“ vorzunehmen. Ein Satire-Schmankerl aus dem Hause KAV – danke!

Der “Bewusstseinsforscher” hielt außerdem fest, dass man einen Schutzring um die Gebäude legen habe können, „der verhindert, dass negative Energien des Umfelds Einfluss auf das Haus und die Menschen darin nehmen“. Bei den sonstigen Kostenüberziehungen für die Errichtung des Spitals verbuchte der KAV die Honorarnote des ehemaligen Autoverkäufers über wohlfeile 95.000,- € wahrscheinlich unter “Schutzgeld”.

Vizekanzler HC Strache tobte darüber nicht nur auf Facebook. Zu recht. Er hat damals für seine eigene “Mystikerin” bloß 6.000,- € aus der Parteikassa zahlen müssen, was noch dazu Schutz im In- und Ausland beinhaltet hatte. Außerdem wäre es sicher viel billiger gekommen, hätte man dem Krankenhaus einfach einen Aluhut aufgesetzt.

Natürlich muss man sagen, dass das Larifari und Humbug aus einer realitätsfernen, esoterischen Fantasiewelt ist. Und wenn man jetzt rational hergeht und vernünftig nachdenkt, bleibt eigentlich nur eine Alternative: Der Exorzist. Und wirklich hat Kardinal Schönborn per Twitter Alternativlösungen angeboten: “Wir sagen nur: Ein einfacher Segen wäre günstiger gewesen ;-)”. Die katholische Kirche auf ihrem Weg vom Marktführer zum Rabatt-Diskonter.

Segensreich aber auch die Vorstellung, um das Geld 8.636 Heimspiele zu besuchen. Oder um die 95.000,- € beim Leo auf der Friedhofstribüne ca. 190.000 mal aufs Klo zu gehen. Und das wäre angesichts seines 20-jährigen Jubiläums als bester letzter Mann würdig, recht und erleichternd.

Come on, Sport-Club!

Kieselsüchtige Koffer

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sport-Club: Heimspiel am 30.03.18 gegen SKN St. Pölten Juniors

Heute kommt St. Pölten. Willkommen! Fast ein bisserl untergegangen, die Nachricht, dass Peter Westenthaler ein weiteres Mal rechtskräftig verurteilt wurde. Diesmal zu einer unbedingten Haftstrafe, die er zumindest vier Monate absitzen muss. 120 Tage Schmalz, Hojac erhalt’s. Es ging um eine Fördermillion an die Bundesliga und eine Zahlung von 300.000,- der Österreichischen Lotterien an das BZÖ.

Da koffert man sich redlich ab und das ist dann der Lohn dafür. Aber zumindest hat Westenthaler jetzt Zeit, Rosa Luxemburg zu lesen: Freiheit ist immer die Freiheit der Anderen. Zum Beispiel eines anderen Kofferträges mit fescher Föhnfrisur.

Er ende als Hilfsarbeiter mit einer “akademischen Ausbildung”, sagte Ingenieur Westenthaler. D.h., er hat Matura und danach offensichtlich brancheneinschlägig ein paar Jahre gearbeitet. So gesehen hat er ein bisserl zu viel gearbeitet, sonst wär’s sogar was im Bundeskanzleramt geworden. Hingegen sieht er sein Leben zerstört und brachte in dem Zusammenhang auch den Tod seiner Schwester ins Spiel. Westenthaler und seinesgleichen modifizieren damit den alten französischen, absolutistischen Leitsatz zur Perfektion: Le Opfer c’est moi.

Wo wir andererseits doch genug aktuelles politisches Kleingeld abzuarbeiten hätten. Da kann dieses ewige Zurückschauen auf die Vergangenheit gar nix, außer stören. Deswegen sagen wir auch ganz klar, dass endlich Schluss sein muss mit dieser Vergangenheitsbewältigungshysterie, und bringen wir es doch ein für alle Mal auf den Punkt: Es war nicht alles schlecht unter Schwarz-Blau I. Sonst hört doch diese ewige Nachbohrerei nie auf und wir müssten uns die Frage stellen: Wer war jetzt von den Verantwortlichen der ersten Wende-Periode eigentlich noch nicht im Gefängnis? Und wie heißt die FPÖ jetzt wirklich? Freigänger Partei Österreichs?

Muss denn die Politik im Sport immer eine Rolle spielen? Ja, weil der Sport genauso gesellschaftlich relevant ist, wie alle anderen politischen Agenden. Nicht schlecht ist es aber, wenn das fähige Leute tun und keine kieselsüchtigen Koffer.

Come on, Sport-Club!

Im Hühnerparadies

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sport-Club: Heimspiel am 03.11.17 gegen die Admira Juniors

Heute kommt die Admira. Willkommen! Alle Wege führen nach Dornbach, nona. Wenn man nun den mit dem 43er zum Match nimmt, kommt man auf der Hernalser Hauptstraße an einem der begrifflich spannendsten Orte Wiens vorbei. Nämlich am “Hühnerparadies”. Ein auf Geflügel, aber auch Fisch und Vegetarisches spezialisiertes Schnellrestaurant, das durch seine freundliche Führung, leiwande Qualität der Ware, Sauberkeit, wohlfeilen Preise besticht und entsprechend gut frequentiert ist. Aus der Perspektive sowohl der Kundschaft, als auch der Betreibenden, wird der Laden seinem Namen also genüsslich gerecht – ein Hühnerparadies eben. Was andererseits aber den Standpunkt der Hendeln betrifft, hätten diese sicher massive Einwände und noch so manchen Optimierungsvorschlag für die Beschaffenheit eines geflügelgerechten Gartens Eden.

Das erinnert dann an die verbürgte Anekdote eines lieben Freundes auf der Friedhofstribüne: Nach der Installierung von SchwarzBlau in Oberösterreich erhielt eine sozial unterstützte Dame einen Brief einer Landesbehörde, den diese inhaltlich nicht erfassen konnte. Daher wendete sie sich an einen Sozialarbeiter, der dabei behilflich sein sollte. Und er übersetzte ihr den Inhalt des Schreibens der nunmehr schwarzblau geführten Sozialbehörde ins Begreifliche. Dass die finanzielle Unterstützung für die Bezieherin nämlich ab sofort empfindlich gekürzt würde. Bass erstaunt und wütend über die schlechte Nachricht, hob die Frau nun zum zornigen Konter an: “Das ist ja eine Frechheit! Das nächste Mal wähl ich den Strache!”

Der Standpunkt bestimmt die Perspektive. Zumindest bei den Henderln.

Come on, Sport-Club!

Karibische Koalition

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sport-Club: Heimspiel am 29.09.17 gegen die Vienna

Heute kommt die Vienna. Döblingers welcome! Unser Dörby of Love spielt diesmal im unteren Rotlichtviertel – ein Kampf gegen die Laterne. Parallel dazu findet in Konferenzschaltung gerade ein anderes Kellerderby statt: der Nationalratswahlkampf.

Dabei wäre es unfair, unseren ParlamentarierInnen Untätigkeit vorzuwerfen. Vielmehr verhält es sich mit dem aufopfernden Einsatz mancher so, wie neulich im Jonas-Reindl auf dem Weg nach Dornbach erlebt: Eine Passantin weist einen Mitarbeiter der Wiener Linien darauf hin, dass sich auf dem Weg von U-Bahn zur Bim eine Lacke befinde. Aquaplaning-Gefahr per pedes, quasi, und ob man dagegen nichts unternehmen könne. Flugs reagierte der freundliche Herr, begab sich zum Tatort, sondierte das Terrain akribisch, erkannte die Gefahr für Mensch und Tier und machte sich sodann stante pede daran, den Missstand zu beseitigen, in dem er nur wenige Minuten später wieder erschien, um einen knallgelben Ständer mit dem Hinweis “Achtung, Rutschgefahr!” aufzustellen. Problem gelöst!

Solche patente Lösungskompetenz zeichnet auch unsere Politik aus. Klar, manche Parteiprogramme lesen sich so spannend wie das Telefonbuch. Weswegen es doppelt schade ist, dass Big Otto Wanz kürzlich verstorben ist: Er hätte sie in der Luft zerrissen.

Und das ist auch der Grund, warum wir uns in der nächsten Legislaturperiode klar für eine Saint Lucia-Koaltition aussprechen! Die Farben der Flagge des Karibikstaates stehen nämlich für Sonne, Treue, die Fülle des Lebens, den Himmel, das Wasser und dafür, in Einheit zusammen zu leben und zu arbeiten. Außerdem erlangte Saint Lucia seine Unabhängigkeit 1979, was offensichtlich unmittelbar auf den damaligen Vizemeistertitel des Sport-Club zurückzuführen war. Und es gibt im Regierungsviertel der Hauptstadt weder Mauern, noch teuer bezahlte Pfosten.

Die Fahne von Saint Lucia besteht übrigens aus den Farben Blau, Gelb und Schwarz, Weiß.

Come on, Sport-Club!

Kannst du dir nicht schönsaufen

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sport-Club: Cup-Spiel vom 15.09.17 gegen Bruck

Heute kommt Bruck. Willkommen! Der Herbst birgt gegenüber einem bitteren Fußballabend einen empfindlichen Nachteil: Man kann ihn sich nicht schönsaufen. Ok, er hat per se eine fratzenhafte Bestimmung, für die er selber nichts kann. Denn der Herbst ist der notorische Totengräber des Sommers. Und das sei ihm nie verziehen, da nützt auch kein jämmerliches “Hab’s nicht gewollt”. Das einzig Schöne am Herbst ist, dass es wieder Fußballabende gibt. Die sind momentan zwar bitter wie er selbst, aber sie sind. Den Rest kann man sich ja schönsaufen.

Wer mit dem 43er zum Sportclubplatz fährt, um sich in dieser Disziplin unter Extrembedingungen zu üben, dem bleibt auch nicht verborgen, dass obendrein noch Wahlkampf herrscht. Das macht die Sommerkillerjahreszeit wenigstens wieder amüsant. Das bisher ehrlichste Plakat liefert jene Partei, deren Spitzenkandidat in den letzten zwölf Jahren nicht Wiener Bürgermeister, nicht Bundeskanzler, nicht Bundespräsidentenwahlsieger geworden ist, dafür aber Brillenträger. Es glorifiziert exakt jenen österreichischen Typ, den die wahlwerbende Partei und ihr Personal verkörpern: den Radfahrer, der nach oben buckelt und nach unten tritt. Chapeau, so viel Selbstironie hätten wir euch nicht zugetraut.

Ausgerechnet die Wiener Linien zeichnen den Wandel unserer politischen Kultur der letzten Jahrzehnten exakt nach. In untragbaren Situationen mit disziplinären Vergehen forderte die Tram-Durchsage früher “Zurücktreten, bitte!”. Später nahm man den Verfall des geistigen Niveaus mancher offenbar schon resigniert hin: “Zurückbleiben, bitte!” Heute ist man bloß noch bemüht, die solcherart Zurückgebliebenen vor Wiederholungstaten zu schützen: “Steigen Sie nicht mehr ein!” Akustisch dick unterstrichen durch einen unterbrochenen Piepton als schrilles Besetztzeichen.

Und dann heißt’s im 43er “Bitte seien Sie achtsam. Andere brauchen Ihren Sitzplatz vielleicht notwendiger.“ Das gilt gleichermaßen für Parlament wie Trainerbank.

Come on, Sport-Club!

Vorbeugen ist besser, als auf die Schuhe speiben

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sport-Club: Cup-Spiel vom 15.07.17 gegen SV Ried

Heute kommt der SV Ried. Willkommen! Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer, aber wer wird den Tag schon vor dem Abend loben. Wo wir schließlich hinkommen würden, wenn das alle tun? Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Aber immerhin wächst der Bart am Kinn. Da haben wir schon lieber den Spatz in der Hand als die Taube am Dach. Weil wenn die Gier ein Luder ist, tut Übermut selten gut. Und zu viele Köche verderben nur den Brei, darauf kannst du Gift nehmen. Zumal an und Pfirsich nichts älter ist, als die Zeitung von gestern. Gut, wir schupfen das jetzt nicht ganz locker vom Hocker, aber noch ist nicht aller Tage Abend. So schaut’s schließlich aus im Puppenhaus.
Und wenn andere von der Brücke springen, springst du auch? Na selbstverfreilich nicht. Das ist die Hauptsache! Wenn du nämlich jetzt glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein hin und her. Aber hallo! Was liegt, das pickt, da kannst du dich auf den Kopf stellen. Ja, so ist das Leben. Sellerie, wie der Gärtner sagt. Aber wie geht’s dir damit wirklich, Freund der Blasmusik? Auf zwei Füßen? Wie die anderen wollen? Na Grüß Gott, Frau Kompott! Auch kein Hasenbemmerl – mach’s lieber gut, Herr Hut! Weil so jung werden wir nicht mehr zusammenkommen. Das ist fix wie nix.

Morgen wird heute gestern sein. Das ist so sicher, wie das Amen im Gebet. Soweit ist schon einmal alles klar, Herr Kommissar. Früher war alles klar auf der Andrea Doria. Aber was gibt es schon Neues. Schließlich ist das Alte nix wert. Kinder, wie die Zeit vergeht! So weit alles cool am Pool? Passta Schutta.

Letztlich kann man Schwarzweißen ja doch kein C für ein K vormachen, denn der Cup hat eigene Gesetze – Prostata!

Come on, Sport-Club!

Man soll aufhören, wenn es am schirchsten ist

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub: Heimspiel vom 19.05.17 gegen SK Rapid Amateure

Heute kommt Rapid. Willkommen. Letztes Heimspiel. Letzte Partie der Saison. Das letzte Mal im 43er keinen Sitzplatz kriegen. Das letzte Mal der Bankomat beim Spar außer Betrieb. Das letzte Klimpern im Karton unten am Klo. Der letzte Anstoß. Der letzte Pfiff. Das letzte Krügerl.

Letzten Sachen wohnt immer ein bisserl Wehmut inne. Der letzte Schultag vor dem Ernst des Lebens. Der letzte Kuss vor dem Anschied. Der letzte Badetag vor dem Herbst. Oder der letzte Blick nach der letzten Bim vor dem elends langen Heimweg zu Fuß.

“Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist!”
Wer hat diesen Unfug eigentlich erfunden? Ein Tritt dem Trottel. Der Mensch ist das einzige Wesen, das überhaupt – manchmal – weiß, dass sich etwas zum letzten Mal ereignet. Einerseits, weil er zählen kann – und die zehnte Mannerschnitte ist immer die letzte. Andererseits, weil er exklusiv mit Verstand und Bewusstsein ausgestattet worden ist. Mit dieser Vernunftbegabung wissen wir also auch, dass wir das letzte Mal hier auf Dornbachs Erden leben. (Andere Annahmen fallen unter die Kategorie Gott – also nicht Mensch.) Und wenn’s eh schon das letzte Leben ist, weil es keine Generalprobe ist, warum soll dann wer ausgerechnet aufhören, wenn es schön ist?

Man soll aufhören, wenn es am schirchsten ist!
Das ließe sich hören. Österreichs Außenminister für Innere Angelegenheiten hat uns das gerade erst vorgemacht. Und er hat uns immer schon prophezeit, es werde nicht ohne hässliche Bilder gehen. Dann hat er so schirche Bilder von der Koalition gemalt, dass er jetzt damit aufhören will. Nur logisch, dieser Kurz-Schluss.

Aber wenn sich im exklusiv einzigen Leben etwas Schönes tut, hört man doch nicht auf. Wie wahr, dass nach einem langen Freitag der erste Schluck Bier am Sportclubplatz der beste ist. Und dann soll man aufhören? Gegen solcherart Visionen braucht’s eher gute Ärzte.

Ein schnelles erstes Tor gegen Rapid wär heute am schönsten. Aber dann doch bitte nicht aufhören!

Come on, Sportklub!

 

Zukunft oder Knoblauchpudding

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub: Heimspiel vom 01.05.17 gegen First Vienna FC 1894

Heute kommt die Vienna. Willkommen! Wir Mopeds spielen gerade selbst eine Reihe von Auswärtspartien. Das ist gut. Das ist aber auch grausam. Denn dementsprechend ist unsere Beziehung zum Sportklub momentan zwar immer noch sehr tief, aber: platonisch.

Nun haben platonische Beziehungen unter Humanoiden ja durchaus ihre Vorteile. Du kannst dich vor jedem Date sorglos mit Knoblauchpudding vollstopfen. Du ersparst dir, zum Ausgehen extra frische Osterhöschen anziehen zu müssen. Führt der Verlauf des Abends zur Diagnose “Too drunk to fuck”, darf das durchaus als befriedigender Höhepunkt in der Beziehung verbucht werden. Man ist einander trotzdem nie untreu. Und niemand muss sich fragen, ob das Übernehmen der gesamten Rechnung auch angebracht ist, oder nur teuer.

Völlig anders verhält es sich bei der biologisch wertvollen Beziehung Mensch-Sportklub. Paradoxer Weise ist die Liebe des Menschen zum Sportklub so groß und innig, dass Ersterer den Zweiten loswerden möchte.
“Nach l, n, r – das merke ja – kommt nie tz und nie ck.” Und der Sportklub hat bekanntlich das größte ck-Problem unserer Republik. Der Mensch will den Sportklub loswerden, um wieder mit der alten Liebe Sportclub zusammenkommen zu können. Für diese Wiederverheiratung von Geschiedenen braucht’s aber eine ordentliche Mitgift: Wir kaufen ein C.

Ein so ein C gibt’s aber nicht billig. In keiner Hinsicht. Schließlich geht’s da um keine platonische Beziehung, sondern aufs und ums Ganze. Deshalb steht auch glasklar fest, wer die Rechnung übernimmt: Der Mensch in der Beziehung.

Schenken wir uns eine Zukunft mit weiteren Dörbys of Love. Denn Liebe ist käuflich. Die des WSC sogar mit Geld. Her mit der Marie für die Spendenboxen. Auch wir unterstützen die Aktion:
Wir versprechen jedem Spendenden hoch und heilig, dass er oder sie KEIN von uns signiertes Sportclubleiberl kriegt.
#onewienersportclub

Die gleiche Übung geht übrigens auch in blaugelb babyleicht.

Come on, Sportklub!

Zahnzuckerl und Pasta Asciutta

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub: Heimspiel vom 21.04.17 gegen Ritzing

Heute kommt Ritzing. Willkommen! Wir Mopeds sind so alt, dass wir in einer Zeit Kinder waren, als der Sportclub noch in der 1. Liga spielte. Aber war früher wirklich alles besser? Nein! Allerorten hieß es damals noch: „Seids froh, dass das habts, weil wir haben ja nicht die Möglichkeit dazu gehabt!”

Wir haben das alles ja aber gar nicht gewollt: Jeden Vormittag ein Zahnzuckerl. Oder jedes Jahr am Weltspartag ein Dracula-Gebiss aus Plastik in der Länderbank. Überfluss hieß das.

Um sich diesen Überfluss leisten zu können, waren unsere Mamas auch die ersten, die arbeiten gegangen sind. Früher strikte Trennung: Papa geht arbeiten (oder wahlweise in Krieg), Mama macht Haushalt und Kinder. Bei uns: Gleichberechtigung! Mama geht auch arbeiten plus  Haushalt, plus  Kinder. Weil die Papas wollten den Mamas ihre angestammten Rechte nicht streitig machen.

Nun hatten die Mamas aber keine Zeit mehr zum Kochen. Also gab es damals die ersten Fertiglebensmittel. Besser: “fertige Konservierungsmittel in chemischen Verbindungen mit lebensmittelähnlichem Hintergrund”. Eine neue Kulturtechnik war zu erlernen: Die geschmackliche Unterscheidung zwischen Produkt und Verpackung. Denn grundsätzlich hat das alles gleich geschmeckt und oft war das Cellophan besser als der Strudelteig selbst, denn das hat nicht so sehr nach Konservierungsmittel geschmeckt.

Kinder heute müssen extrem viel wissen: Was gibt’s heute, morgen, mittags, früh … zu essen? Bei uns: Immer das Selbe in jeweils anderem Aggregatszustand.

So auch in den Großküchen. Wenn wir zu Mittag in den Hort gekommen sind, mussten wir nicht erst nachschauen, was es zu essen gibt. Wir haben uns das Flascherl Maggi-Suppenwürze genommen, die Hälfte über den Teller geschüttet und dann war’s genießbar. Egal, ob das eine Pasta Asciutta oder ein Kaiserschmarrn war.

Wir wollten Ihnen aber keinen Gusto auf Inzersdorfer machen, sondern auf Dornbacher.

Come on, Sportklub!