Archiv der Kategorie: Kolumne

Die Wahrheit ist eine Tochter des Sportklub

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub: Heimspiel vom 31.03.17 gegen Stadlau

Heute kommt Stadlau. Willkommen! Frei nach Bruno Pezzey und Prodixan wird das heute ein schweres Spiel. Denn Stadlau ist mit 29 Punkten Vierter der Tabelle, der Sportklub mit 17 Zwölfter. Das ist Fakt. Wer kann sich aber heute im postfaktischen Zeitalter darauf noch verlassen? Fake News, Alternative News, … was heißt das überhaupt.

Schon im Privaten tut man sich mit der Wahrheitsfindung schwer. Gut, wenn du in der Früh noch völlig verträumt aufstehst und mit voller Wucht auf einen Lego Einser-Stein deiner Tochter trittst, dann sind das harte Fakten. Wenn der kleine Mensch aber postwendend vorbrescht und bahauptet, dass das die Schuld der Schwester gewesen wäre, weil die nicht aufgeräumt hätte, dann bist du mitten im privaten postfaktischen Zeitalter gelandet. Wenn sie dann noch einen draufsetzt und unaufgefordert verspricht, ab jetzt immer zuerst das alte Spiel wegzuräumen, bevor sie ein neues beginnt: Fake News! Leider. Geht’s dann noch ans Essen und die Tochter sagt: “Gelt, wir sind beide vegan – nur du mit Kuhmilch und ich mit Würsterln!”, dann ist das ein klarer Fall von Alternative News.

Im Prinzip also babyleicht, aber woher weiß man denn heute, ob man sich auf Informationen überhaupt verlassen kann. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um an eingem zu Zweifeln. Deshalb halten wir uns ganz an Friedrich Torberg, wenn er sagte: “Ich glaube jedem, der die Wahrheit sucht. Ich glaube niemandem, der die Wahrheit gefunden hat.” Aber nicht einmal darauf kann man sich verlassen! Denn der Satz stammt nicht von Torberg, sondern von Kurt Tucholsky.

Unsere Prognose für das heutige Spiel ist genau deshalb denkbar leicht.
Verliert der Sportklub: Fake News!
Spielen wir unentschieden, berichten wir trotzdem von einem Sieg: Alternative News.
Gewinnt der Sportklub allerdings, haben wir sie gefunden, die Wahrheit.

Come on, Sportklub!

Make Sportklub great again

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub: Heimspiel vom 03.03.17 gegen Ebreichsdorf

Heute kommt Ebreichsdorf. Willkommen! Und heute ist der 3.3. Gleich zwei Primzahlen nacheinander. Und Primzahlen galten schon immer als Unglückszahlen. Man lässt lieber Fünfe gerade sein, wir kennen die böse Sieben und freilich war es die 13. Fee, die als beleidigte Leberwurscht Dornröschen über den Jordan schicken wollte.

Jetzt ist heute nicht nur der 3.3., sondern gar der 3.3.17. Das sind sogar 3 (Primzahl!) Primzahlen. Zählt man 3 und 3 und 17 nun zusammen, ergibt das 23 – richtig, Primzahl! Und die Quersumme von 23? 5 – nächste Unglücksprimzahl (Jesus hatte zum Beispiel 5 Wundmale!). Diese Zahlen – total losers!

Und unser Sportklub? Hat momentan eine Tordifferenz von minus 5! Und zwar mit 12 geschossenen und 17 erhaltenen Toren. Summe: 29 – Primzahl! Dass die Heimat des Sportklub der Wiener Bezirk Nummer 17 (Primzahl, nona) ist und wir mit der Bim Nummer 43 (ehschowissen) alle 2 (Primzahl!) Wochen zur Freitagsmesse pilgern, lässt wohl auch die letzten Zweifler verstummen. So sad!

Ebreichsdorf hingegen? Zur Info: Postleitzahl 2442. Keine Spur von Primzahl. 15 Spiele, 25 Punkte, 8 Siege, 1 Unentschieden, 6 Niederlagen, 4. Platz. Keine einzige Unglücksprimzahl spuckt dem ASK in die Suppe der Saison. It’s true!

Behauptet denn jemand wirklich, Ebreichsdorf hätte bislang die cleverere Saison gespielt und mehr Tore geschossen? Fake news!

We are here to tell You the truth: Das Ebreichsdorfer Establishment profitiert doch ausschließlich vom unkontrollierten Zuzug von illegalen Punkten!

Wir werden heute bei jedem Ebreichsdorfer Freistoß eine Mauer bauen! Und wer wird dafür bezahlen? Ebreichsdorf!

Wir können heute postfaktisch gar nicht verlieren! Make Hernals great again!

Come on, Sportklub!

Schirch wie der Zins

Ich glaub an dich irgendwie

“Stehbrunzer” erwartet am Wiener Schwendermarkt bald ein feuchtfröhliches Vergnügen: Ab jetzt wird zurückgepinkelt. Geht man eines der schönsten Wiener Gasserln, die Reindorfgasse, entlang Richtung Mariahilferstraße und schafft es dann noch, nicht im Gasthaus Quell bei 13 G’spritzten hängenzubleiben, gelangt man am Ende zum Schwendermarkt. Dieser zeichnet sich grundsätzlich dadurch aus, dass er sich grundsätzlich durch nichts auszeichnet … weiterlesen auf vienna.at

Das brisante Burkaverbot

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Sind wir uns doch ehrlich. Seit Jahren versteht es ausschließlich unsere rechtspopulistische Minderheit im Lande, die wahren Probleme des kleinen Mannes und seiner mitgemeinten alleinerziehenden Billakassierin tatsächlich ernst zu nehmen: Rettung der Bundeshymne, Rettung der Käsekrainer, Rettung des Nikolo, Rettung der Ampelmännchen. Ja, das sind die großen Sorgen, die den kleinen Leuten alltäglich unter den Nägeln brennen. Neu hinzugesellt hat sich in diese Kiste das dringend zu lösende Problem der unübersehbar großen Masse an Burkaträgerinnen. Die Burka, eine Gefahr für uns alle? Der zwingende Zusammenhang der heimatlichen Vordenker: Terror.

Ja, da gehört hart durchgegriffen. Schließlich weiß man, die meisten Terroristen sind weiblich und tragen während ihrer grausigen Untaten unentwegt Burka. Das freiheitliche Weltbild erkennt in der Burka außerdem ein Symbol für die Unterdrückung der Frau: Man sieht damit doch so schlecht beim Kochen, Putzen und Bügeln.

Wir dürfen die Realität nicht wegblenden. Erst vor wenigen Wochen kam es in Dresden zu einem Anschlag auf eine Moschee. Nach rechtspopulistischer Logik gibt es darauf nur eine einzig richtige Reaktion: eine umgehende Diskussion über Kleidungsvorschriften für Klosterfrauen. Sicher ist sicher.

Diese Kolumne ist erschienen am 15.10.2016 in Der Moment 16/3 (‎Momentum – Kongress für kritische Wissenschaft)

Gurken schneiden, Gurkerln scheiben

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub: Heimspiel vom 21.10.16 gegen SKN Juniors

Heute kommt St. Pölten. Willkommen! Das War schon eine bemerkenswerte Meldung, die uns kürzlich aus Tschechien erreicht hat: Die beiden bekannten Profikicker Lukas Vacha und Tomas Koubek von Rekordmeister Sparta Prag hatten der Unparteiischen Lucie Ratajova aufgrund einer Fehlentscheidung nach dem Match geraten, sie solle doch dorthin, wo sie auch hingehöre: An den Herd. Und weil das nicht als Kompliment für Ratajovas kulinarische Fähigkeiten gedacht war, setzte es von Vereinsseite eine leidlich kreative Buße. Beide Spieler müssen nun für einige Zeit mit dem Frauenteam mittrainieren, um ihre Weltbilder auf das Jahrhundert Nummer 21 aufzupimpen.

Wir finden in aller Solidarität natürlich schon, dass diese drakonische Sanktion eine Zumutung ist. Für das Frauenteam.

Was aber löst die Strafe bei den Urhebern der “Spartanischen Verse” selbst aus? Wird sich ihr Frauenbild nachhaltig verändern, oder stehen sie bei den Trainings weiter wacker ihren Mann und freuen sich jetzt halt noch mehr auf die Dusche danach? Bangen die Spieler gar um ihre männliche Identität und fiebern angstdepressiv den möglichen Langzeitfolgen entgegen: Sitzpinkeln und Zuhörenkönnen?

Sehen wir gar Zeiten von Straflagern für Machos entgegen: Traumfänger über den Betten, 24 Stunden Eiskunstlauf und Sex and the City im TV, Hechelkurs, Tupperware-Party und kuscheln statt Migräne? Besorgte Bürgerinnen warnen jedenfalls schon die längste Zeit vor den Gefahren, welche von solcherart weichgespülten Männern ausgehen: Jetzt nehmen sie uns auch noch den Herd weg 

Mit derlei altbackenen Verschwörungstheorien aber geben wir progressiven Männer uns natürlich längst nicht mehr ab und widmen uns derweil den wirklich wichtigen Fragen der Zeit: Wie nennt man im Damenfußball eigentlich ein Gurkerl?

Come on, Sportklub!

Die blaue Europapartei

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Nur weil die FPÖ den Begriff Öxit geprägt hat, will die linkslinke Schickeria nun die umstrittene Heimatpartei ins antieuropäische Eck drängen. Schwachsinn! Natürlich ist die FPÖ eine lupenreine Europapartei, da wetten wir jeden Schilling darauf. Man beachte die zunehmende europaweite Vernetzung der Blauen, insbesondere mit der deutschen Bruderpartei AfD. Die “Alternative für Deutschland” und die FPÖ rücken unübersehbar zusammen. Ursprünglich hatte man sogar einen Zusammenschluss ins Auge gefasst, den das System skrupellos verhinderte. Der gemeinsame Parteiname ist seit 1945 verboten.

Der Auftakt zur neuen Liebschaft gestaltete sich nicht unkompliziert. Strache und Petry waren bei ihrem ersten Treffen voneinander doch einigermaßen entsetzt: Du meine Güte, ein Ausländer! Mittlerweile klappt der gemeinsame Kurs: Man teilt sich zusammen ein Gehirn. Offensichtlich mischt Nicht-Kanzler und Nicht-Bürgermeister Strache nach seinen heimatlichen Misserfolgen nun vermehrt in der deutschen Politik mit. Historisch brisant. Hat er doch glatt die Geschichte mit der Kunstakademie übersprungen.

Leider hat die Zusammenarbeit von FPÖ und AfD ein Ablaufdatum. Wenn beide Parteien in ihren Ländern erst einmal regieren, wird es schwierig mit den regelmäßigen Treffen. Trennt die beiden Staaten dann nicht ein unüberwindbarer Zaun?

Diese Kolumne ist erschienen am 15.10.2016 in Der Moment 16/3 – Momentum – Kongress für kritische Wissenschaft)

Der rote Wunderwuzzi

momentum_1Ein politisch spannendes Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Zweifellos ein erfolgreiches Jahr, zumindest für die SPÖ. Zunächst erreicht ihr Präsidentschaftskandidat Rudolf Hundstorfer einen souveränen Platz unter den Top Ten, danach findet auch Werner Faymann – trotz massivem Widerstand aus der Basis (“Werner, der Kurs stimmt.”) – endlich sein Türl zwischen den Seitenteilen. Weg ist er. Das Interesse für Faymann liegt seit seinem Rücktritt österreichweit bei Null. Das sind immerhin drei Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Faymann hat Platz geschaffen für die große Zukunftshoffnung der SPÖ, Christian Kern. Das sozialdemokratische Wording hat Kern zwar noch nicht so drauf (Freundschaft, Seilschaft, Prost), aber der neue Staats- und Parteichef bekommt doch tatsächlich mehr als einen geraden Satz heraus. Die Sozialdemokratie steht Kopf.

Kritische Stimmen meinen, die SPÖ scheiterte bislang an der Kommunikation. Schwachsinn! Ihre Misserfolge kommuniziert die Partei doch konstant seit Jahren. Es wird sich weisen, ob Kern tatsächlich zum Wunderwuzzi wird. Ein gewagtes Unternehmen. Zuerst Chef der Bundesbahn, jetzt Chef der Bundespartei. Vom Großkonzern zum Nischenbetrieb. Wobei: Faymann war acht Jahre lang Kanzler. Wenn Kern jetzt sieben Jahre gar nichts macht, ist er schon erfolgreicher als sein Vorgänger.  

Diese Kolumne ist erschienen am 13.10.2016 in Der Moment 16/1 (‎Momentum – Kongress für kritische Wissenschaft)

Behandelt mich mein Arzt politisch korrekt?

Kindergarten Friedhof LeichenhalleAm Anfang die Wiege, am Ende die Bahre und dazwischen sollten wir Menschen irgendwie heil durchkommen. Lassen Sie mich durch, ich muss zum Arzt! Aber zu welchem? Wenn man zunächst einmal nicht genau weiß, was zwickt, geht unsereins gern zum Praktischen Arzt. Der hat von allem ein bisserl Ahnung. Das ist ja auch das Praktische an ihm. Oder zur Ärztin. Die ist weiblich und daher vielleicht noch praktischer veranlagt … weiterlesen auf vienna.at

Wie liegt sich’s so in der sozialen Hängematte?

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Zur Info: Die FPÖ klagt Verfassungsrichter Schnizer und das tue ihr „sehr leid”. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Schnizer ist der Meinung, die FPÖ hätte die Anfechtung der Bundespräsidentenstichwahl schon vor dem Urnengang vorbereitet. Das ist eine moralische Frage. Kein strafrechtlicher Vorwurf. Die Freiheitlichen basteln aber einen daraus, um sich sogleich über diesen nicht getätigten Vorhalt echauffieren zu können und in die Lieblingsrolle schlüpfen zu können: Opfer. Das ist paradox und Strategie. Eine, die sie aus dem Effeff beherrschen … weiterlesen auf vienna.at