Archiv der Kategorie: Kolumne

Make Sportklub great again

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub: Heimspiel vom 03.03.17 gegen Ebreichsdorf

Heute kommt Ebreichsdorf. Willkommen! Und heute ist der 3.3. Gleich zwei Primzahlen nacheinander. Und Primzahlen galten schon immer als Unglückszahlen. Man lässt lieber Fünfe gerade sein, wir kennen die böse Sieben und freilich war es die 13. Fee, die als beleidigte Leberwurscht Dornröschen über den Jordan schicken wollte.

Jetzt ist heute nicht nur der 3.3., sondern gar der 3.3.17. Das sind sogar 3 (Primzahl!) Primzahlen. Zählt man 3 und 3 und 17 nun zusammen, ergibt das 23 – richtig, Primzahl! Und die Quersumme von 23? 5 – nächste Unglücksprimzahl (Jesus hatte zum Beispiel 5 Wundmale!). Diese Zahlen – total losers!

Und unser Sportklub? Hat momentan eine Tordifferenz von minus 5! Und zwar mit 12 geschossenen und 17 erhaltenen Toren. Summe: 29 – Primzahl! Dass die Heimat des Sportklub der Wiener Bezirk Nummer 17 (Primzahl, nona) ist und wir mit der Bim Nummer 43 (ehschowissen) alle 2 (Primzahl!) Wochen zur Freitagsmesse pilgern, lässt wohl auch die letzten Zweifler verstummen. So sad!

Ebreichsdorf hingegen? Zur Info: Postleitzahl 2442. Keine Spur von Primzahl. 15 Spiele, 25 Punkte, 8 Siege, 1 Unentschieden, 6 Niederlagen, 4. Platz. Keine einzige Unglücksprimzahl spuckt dem ASK in die Suppe der Saison. It’s true!

Behauptet denn jemand wirklich, Ebreichsdorf hätte bislang die cleverere Saison gespielt und mehr Tore geschossen? Fake news!

We are here to tell You the truth: Das Ebreichsdorfer Establishment profitiert doch ausschließlich vom unkontrollierten Zuzug von illegalen Punkten!

Wir werden heute bei jedem Ebreichsdorfer Freistoß eine Mauer bauen! Und wer wird dafür bezahlen? Ebreichsdorf!

Wir können heute postfaktisch gar nicht verlieren! Make Hernals great again!

Come on, Sportklub!

Schirch wie der Zins

Ich glaub an dich irgendwie

“Stehbrunzer” erwartet am Wiener Schwendermarkt bald ein feuchtfröhliches Vergnügen: Ab jetzt wird zurückgepinkelt. Geht man eines der schönsten Wiener Gasserln, die Reindorfgasse, entlang Richtung Mariahilferstraße und schafft es dann noch, nicht im Gasthaus Quell bei 13 G’spritzten hängenzubleiben, gelangt man am Ende zum Schwendermarkt. Dieser zeichnet sich grundsätzlich dadurch aus, dass er sich grundsätzlich durch nichts auszeichnet … weiterlesen auf vienna.at

Das brisante Burkaverbot

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Sind wir uns doch ehrlich. Seit Jahren versteht es ausschließlich unsere rechtspopulistische Minderheit im Lande, die wahren Probleme des kleinen Mannes und seiner mitgemeinten alleinerziehenden Billakassierin tatsächlich ernst zu nehmen: Rettung der Bundeshymne, Rettung der Käsekrainer, Rettung des Nikolo, Rettung der Ampelmännchen. Ja, das sind die großen Sorgen, die den kleinen Leuten alltäglich unter den Nägeln brennen. Neu hinzugesellt hat sich in diese Kiste das dringend zu lösende Problem der unübersehbar großen Masse an Burkaträgerinnen. Die Burka, eine Gefahr für uns alle? Der zwingende Zusammenhang der heimatlichen Vordenker: Terror.

Ja, da gehört hart durchgegriffen. Schließlich weiß man, die meisten Terroristen sind weiblich und tragen während ihrer grausigen Untaten unentwegt Burka. Das freiheitliche Weltbild erkennt in der Burka außerdem ein Symbol für die Unterdrückung der Frau: Man sieht damit doch so schlecht beim Kochen, Putzen und Bügeln.

Wir dürfen die Realität nicht wegblenden. Erst vor wenigen Wochen kam es in Dresden zu einem Anschlag auf eine Moschee. Nach rechtspopulistischer Logik gibt es darauf nur eine einzig richtige Reaktion: eine umgehende Diskussion über Kleidungsvorschriften für Klosterfrauen. Sicher ist sicher.

Diese Kolumne ist erschienen am 15.10.2016 in Der Moment 16/3 (‎Momentum – Kongress für kritische Wissenschaft)

Gurken schneiden, Gurkerln scheiben

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub: Heimspiel vom 21.10.16 gegen SKN Juniors

Heute kommt St. Pölten. Willkommen! Das War schon eine bemerkenswerte Meldung, die uns kürzlich aus Tschechien erreicht hat: Die beiden bekannten Profikicker Lukas Vacha und Tomas Koubek von Rekordmeister Sparta Prag hatten der Unparteiischen Lucie Ratajova aufgrund einer Fehlentscheidung nach dem Match geraten, sie solle doch dorthin, wo sie auch hingehöre: An den Herd. Und weil das nicht als Kompliment für Ratajovas kulinarische Fähigkeiten gedacht war, setzte es von Vereinsseite eine leidlich kreative Buße. Beide Spieler müssen nun für einige Zeit mit dem Frauenteam mittrainieren, um ihre Weltbilder auf das Jahrhundert Nummer 21 aufzupimpen.

Wir finden in aller Solidarität natürlich schon, dass diese drakonische Sanktion eine Zumutung ist. Für das Frauenteam.

Was aber löst die Strafe bei den Urhebern der “Spartanischen Verse” selbst aus? Wird sich ihr Frauenbild nachhaltig verändern, oder stehen sie bei den Trainings weiter wacker ihren Mann und freuen sich jetzt halt noch mehr auf die Dusche danach? Bangen die Spieler gar um ihre männliche Identität und fiebern angstdepressiv den möglichen Langzeitfolgen entgegen: Sitzpinkeln und Zuhörenkönnen?

Sehen wir gar Zeiten von Straflagern für Machos entgegen: Traumfänger über den Betten, 24 Stunden Eiskunstlauf und Sex and the City im TV, Hechelkurs, Tupperware-Party und kuscheln statt Migräne? Besorgte Bürgerinnen warnen jedenfalls schon die längste Zeit vor den Gefahren, welche von solcherart weichgespülten Männern ausgehen: Jetzt nehmen sie uns auch noch den Herd weg 

Mit derlei altbackenen Verschwörungstheorien aber geben wir progressiven Männer uns natürlich längst nicht mehr ab und widmen uns derweil den wirklich wichtigen Fragen der Zeit: Wie nennt man im Damenfußball eigentlich ein Gurkerl?

Come on, Sportklub!

Die blaue Europapartei

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Nur weil die FPÖ den Begriff Öxit geprägt hat, will die linkslinke Schickeria nun die umstrittene Heimatpartei ins antieuropäische Eck drängen. Schwachsinn! Natürlich ist die FPÖ eine lupenreine Europapartei, da wetten wir jeden Schilling darauf. Man beachte die zunehmende europaweite Vernetzung der Blauen, insbesondere mit der deutschen Bruderpartei AfD. Die “Alternative für Deutschland” und die FPÖ rücken unübersehbar zusammen. Ursprünglich hatte man sogar einen Zusammenschluss ins Auge gefasst, den das System skrupellos verhinderte. Der gemeinsame Parteiname ist seit 1945 verboten.

Der Auftakt zur neuen Liebschaft gestaltete sich nicht unkompliziert. Strache und Petry waren bei ihrem ersten Treffen voneinander doch einigermaßen entsetzt: Du meine Güte, ein Ausländer! Mittlerweile klappt der gemeinsame Kurs: Man teilt sich zusammen ein Gehirn. Offensichtlich mischt Nicht-Kanzler und Nicht-Bürgermeister Strache nach seinen heimatlichen Misserfolgen nun vermehrt in der deutschen Politik mit. Historisch brisant. Hat er doch glatt die Geschichte mit der Kunstakademie übersprungen.

Leider hat die Zusammenarbeit von FPÖ und AfD ein Ablaufdatum. Wenn beide Parteien in ihren Ländern erst einmal regieren, wird es schwierig mit den regelmäßigen Treffen. Trennt die beiden Staaten dann nicht ein unüberwindbarer Zaun?

Diese Kolumne ist erschienen am 15.10.2016 in Der Moment 16/3 – Momentum – Kongress für kritische Wissenschaft)

Der rote Wunderwuzzi

momentum_1Ein politisch spannendes Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Zweifellos ein erfolgreiches Jahr, zumindest für die SPÖ. Zunächst erreicht ihr Präsidentschaftskandidat Rudolf Hundstorfer einen souveränen Platz unter den Top Ten, danach findet auch Werner Faymann – trotz massivem Widerstand aus der Basis (“Werner, der Kurs stimmt.”) – endlich sein Türl zwischen den Seitenteilen. Weg ist er. Das Interesse für Faymann liegt seit seinem Rücktritt österreichweit bei Null. Das sind immerhin drei Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Faymann hat Platz geschaffen für die große Zukunftshoffnung der SPÖ, Christian Kern. Das sozialdemokratische Wording hat Kern zwar noch nicht so drauf (Freundschaft, Seilschaft, Prost), aber der neue Staats- und Parteichef bekommt doch tatsächlich mehr als einen geraden Satz heraus. Die Sozialdemokratie steht Kopf.

Kritische Stimmen meinen, die SPÖ scheiterte bislang an der Kommunikation. Schwachsinn! Ihre Misserfolge kommuniziert die Partei doch konstant seit Jahren. Es wird sich weisen, ob Kern tatsächlich zum Wunderwuzzi wird. Ein gewagtes Unternehmen. Zuerst Chef der Bundesbahn, jetzt Chef der Bundespartei. Vom Großkonzern zum Nischenbetrieb. Wobei: Faymann war acht Jahre lang Kanzler. Wenn Kern jetzt sieben Jahre gar nichts macht, ist er schon erfolgreicher als sein Vorgänger.  

Diese Kolumne ist erschienen am 13.10.2016 in Der Moment 16/1 (‎Momentum – Kongress für kritische Wissenschaft)

Behandelt mich mein Arzt politisch korrekt?

Kindergarten Friedhof LeichenhalleAm Anfang die Wiege, am Ende die Bahre und dazwischen sollten wir Menschen irgendwie heil durchkommen. Lassen Sie mich durch, ich muss zum Arzt! Aber zu welchem? Wenn man zunächst einmal nicht genau weiß, was zwickt, geht unsereins gern zum Praktischen Arzt. Der hat von allem ein bisserl Ahnung. Das ist ja auch das Praktische an ihm. Oder zur Ärztin. Die ist weiblich und daher vielleicht noch praktischer veranlagt … weiterlesen auf vienna.at

Wie liegt sich’s so in der sozialen Hängematte?

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Zur Info: Die FPÖ klagt Verfassungsrichter Schnizer und das tue ihr „sehr leid”. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Schnizer ist der Meinung, die FPÖ hätte die Anfechtung der Bundespräsidentenstichwahl schon vor dem Urnengang vorbereitet. Das ist eine moralische Frage. Kein strafrechtlicher Vorwurf. Die Freiheitlichen basteln aber einen daraus, um sich sogleich über diesen nicht getätigten Vorhalt echauffieren zu können und in die Lieblingsrolle schlüpfen zu können: Opfer. Das ist paradox und Strategie. Eine, die sie aus dem Effeff beherrschen … weiterlesen auf vienna.at

Die 3 letzten Fragen der Menschheit

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Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub: Heimspiel vom 07.10.16 gegen Parndorf

Heute kommt Parndorf / Pandrof. Willkommen! / Dobro došli! Wie wir alle wissen, sagt ein altes indianisches Sprichwort, dass man nach dem ersten Dreier der Saison einen Wunsch frei hat. Alsdann!

Die letzten 3 unbeantworteten Fragen der Menschheit seit Erfindung des Internets lauten bekanntlich: “Wo kommen wir her?”, “Wo gehen wir hin?” und “Was haben das Burgenland und der Sportklub gemeinsam?” Wir ziehen Frage 3 und haben die Antwort: Einen Lautsprecherwagen. Immer noch. In burgenländischen Dörfern fährt zumeist die Sozialistische Jugend durch das Gemeindegebiet und ruft zur antifaschistischen Marienprozession in der Nacht des 30. April mit Fackeln auf, während der Sportklub sogar grenzüberschreitend im Bezirk Währing für jedes Heimspiel automobil lautsprechert. Beides ist unglaublich charmant und erinnert uns an die “Fab 4” (Don Camillo, Peppone und die beiden Blues Brothers).

In der Lacknergasse, im 18., kommt der Sportklubwagen aber leider oft nicht von der Stelle. Da gibt’s nämlich gegenüber einer privaten, englischsprachigen Volksschule ein Obdachlosenheim. Und da ist’s naturgemäß immer laut. Wegen der SUV-Mamis nämlich, die ihre Kinder zu Mittag von der Schule, nach dem sie offenbar mit ihren Pisten-Bullis ihre Latifundien abgefahren sind, ihre Spösslinge in zweiter Spur abholen und damit ein tägliches Hupkonzert organisieren. Daher hört man den Sportklub-Propagandawagen genau dort besonders laut und lang. Dem Walter G. ist’s wurscht, weil der geht als Pensionist mit seinen Volksschulfreunden sowieso seit Jahrzehnten zu jedem Heimmatch, nachdem er ehrenamtlichen Küchendienst im Obdachlosenheim geleistet hat. Dem Jozsef K. ist’s nicht wurscht, weil der würd’ so gern auf WSK-Matches gehen, kann sich’s aber überhaupt nicht leisten, weil er jeden verdienten Euro als Hilfshackler im Obdachlosenheim seiner Familie zukommen lässt.

Es warat also wegen dem nächsten Dreier und einer Herzensangelegenheit, lieber WSK.

Come on, Sportklub!