Archiv der Kategorie: Kolumne

Das ist ja das Letzte!

Wiener SportklubUnsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub. Ausgabe vom 09.11.2012 | Heimspiel gegen Sollenau

 

 

Heute kommt Sollenau. Aus dem kargen Steinfeld reiten sie ein – aus der Wiener Neustädter Prärie. Ein herzliches Yippie yeah, yeah, yeah!
Auch dem gemeinen Sportklub-Fan sind die Mühen der kargen Ebene so gar nicht fremd. Eben erst kommend von der großartigen Zugfahrt nach Oberwart, zurück in die Kleinartigkeit der heurigen Herbst-Saison. Und hoppala: Das ist ja das Letzte!
Letztes Spiel – letzte Chance auf einen 3er. Ein letzter Blick aufs blaue Meer der Sessel der Blauen. Ein letztes „Was hat er g’sagt?“ bei der Tomboladurchsage. Die letzte Seifenblasen-Oper. Ein letztes letztes Speckspangerl (zäh und salzdurchweicht in der Plastikfolie – SO musst ein Speckstangerl essen! Nicht so ein bobo-frisches von der Mangalizza-Spezerei.) Ein letztes Bier!
Und dann? Folgt die unsägliche viermonatige(!) Sportklub-Karenz.
4 Monate schwarzweiße Polarnacht. Nicht einmal das Stadthallen-Methadon wird ja mehr verabreicht.
Was tun dann Freitag abends? Fressen, Fernschauen, Fitnessbücher lesen? Oder den Passivhaushalt auf Schifahren umpolen? Ja für den Sportklub vielleicht sogar ans Christkind glauben?
Ein herzliches Yippie yeah, yeah, yeah, liebe Winterdepression!
Muss wohl die Folge der letzten, einschlägigen Feiertage sein. So ein Weltspartag kann einen schon ins Larmoyante treiben.
Das Bier treibt auch. Einen ein letztes Mal noch in die getreuen, cosybewährten Arme des Herrn Leopold! Egal, ob’s draußen stürmt oder verteidigt, hier im Bauche Dornbachs herrscht die samtene Konstanz der Zuversicht.  „Geh, so was hamma schon oft g‘habt und immer hamma uns derappelt. Wirst sehen.“ „Geht’s jetzt um den Winter oder den WSK?“ „Wurscht, such dir’s aus.“ Anderswo zahlst du in Seminaren Preise in der Höhe von Jahresabos. Beim Herrn Leopold kostet das Seelenheil gerade einmal ein Schuhschachtelklimpern. „Jetzt wird’s aber Zeit. Siehst es nicht, der Schiri pfeift grad an!“
Danke, Herr Leopold!
Come on, Sportklub!

Semmel, Bier und Knacker!

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub. Ausgabe vom 26.10.2012 | Heimspiel gegen Admira (A)

Heute kommt die Admira. In der Junior-Version. Als beherzte Jausengegner und überzeugte Mitglieder der „Neigungsgruppe Underdogs“ hat uns schon als Kinder der selbstironische Südstädter Battlecry über die Maßen fasziniert:
„Semmel, Bier und Knacker – Admira Wacker!“
Freilich ist die Klinge der Selbstironie in schwarz-weiß noch um einiges feiner als die in mausgrau. Wie Musik klingt’s z.B. noch in unseren Ohren, als vor drei Saisonen die Intelligenzija des FAC-Hooligan-Häufchens auf „der Blauen“ 90 Minuten für die große Chance bei Sido vorsang: „Schwuler, schwuler WSK!“, worauf die Friedhofstribüne grimmig und entschlossen zum Konter-Canon ansetzte: „Schwuler, schwuler WSK …“
Den Gegner ins Leere rennen lassen – das ist, was die Mannschaft momentan vermissen lässt. Erfolgserlebnisse fehlen. (Wo ist eigentlich die EU, wenn man sie wirklich einmal braucht?) Vielleicht sollte man sich ja an große Vorbilder halten. Felix Baumgartner zum Beispiel. Ein Mordskerl, ein ein echtes Idol: Minuten zuvor noch 39km von zuhause entfernt, und dann ist der Bursche doch wirklich um 20:15 pünktlichst zum Tatort daheim!
Ja sicher, von außen schaut’s immer leicht aus. Braucht’s doch „nur“ 1 Tor mehr als die anderen. Wurscht(klub), wie: Hineingedroschen, hineingenudelt, oder – wenn’s gar nicht anders geht – halt auch „hineingebrunzt“, wie das im technokratischen Fachjargon heißt und in unserer Abbildung anschaulich dargestellt ist.

Fussballurinal

Auch ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel meinte kürzlich „Probleme sind das Wichtigste im Leben“. Wir wissen nicht, was er damit sagen wollte, aber sicher etwas Wichtiges.
Unser Vorschlag bezüglich das heutige Match wäre ja:
Semmel, Bier und Knacker – bleibts wacker!
Come on, Sportklub!

Mehr Mitspracherecht!

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub. Ausgabe vom 05.10.2012 | Heimspiel gegen 1. Simmeringer SC

Heute kommt Simmering. Auf den ersten Blick ein klassisches Duell David-Goliath. Denn Simmering ist allein flächenmäßig zweimal so groß wie Hernals. Kann Simmering seine Elf aus über 91.000 EinwohnerInnen rekrutieren, sind es in Hernals nur 53.000. Zählt man nun noch den Zentralfriedhof dazu, besteht der erweiterte Had‘-Kader aus über 3 Mio. …
Und dennoch: 6 Punkte aus den letzten beiden Spielen und ein Torverhältnis von 8:0 für den Sportklub. Das macht schon einen schlanken Fuß und eine breite Brust. Außerdem sprechen die Zahlen Esperanto! Der Sportklub hält bei 11, Simmering bei 2 Punkten. Statistisch gewinnt der WSK in dieser Saison jedes Heimspiel gegen einen Simmeringer Klub (3:1, Ostbahn XI, 10.08.2012). Daneben verliert Simmering jedes Auswärtsmatch gegen einen Wiener Klub (0:1, Austria Amas, 17.08.2012).
So. Keine Fragen mehr, oder?
Wenn sich aber nun der Spielverlauf heute Abend einbildet, er müsse unbedingt gegen den Dornbach schwimmen, fordern wir folgende Sofortmaßnahme:
Ausdehnung der Wehrpflicht!
Sollte dann allerdings immer noch ein Unentschieden dräuen, möge unter den ZuschauerInnen am Sportclubplatz direkt abgestimmt werden, wer die Partie gewinnen solle. Danach gilt für den Abstimmungssieger:

Direkte Demokratie. Babyleicht, oder?
Come on, Sportklub!

Ja zur Wehrpflicht ohne Waffen

MoperlherzUnsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub. Ausgabe vom 21.09.2012 | Heimspiel gegen SC Retz

 

 

Heute kommt Retz. Nicht aus Retz kommt Christiane Hörbiger. Sie ist lediglich Ehrenbürgerin dort, da sie im TV-Schlager „Julia – Eine ungewöhnliche Frau“ als Darstellerin der Retzer Bezirksrichterin Julia Laubach brilliert. Laubach heißt auch eine Stadt im bundesdeutschen Regierungsbezirk Gießen, wobei es in Retz gar nicht einmal so gerne gießt. Galt die Gemeinde im Weinviertel doch in den Nullerjahren als der niederschlagsärmste Ort Österreichs. Verdammt, soll’s in Retz etwa keine Unwetter geben? Nix da.

Die Republik braucht Unwetter wie einen Bissen Brot, das österreichische Bundesheer erst recht. Besagte Niederschlagsattacken bilden doch die Grundlage jeglicher Argumentation für den im Moment so heftig diskutierten Verein. Bekanntlich soll dieser in Zukunft ein wenig umgekrempelt werden. Am Beginn des kommenden Jahres fragt man uns Ösis, ob wir die Wehrpflicht beibehalten wollen oder wir nicht doch lieber ein Berufsheer hätten. Na gut, Volk fragen geht klar.

Die politisch Verantwortlichen gehen die Sache recht vintage an und setzen auf die bewährte Ausgangslage Rot-gegen-Schwarz. Die Volkspartei hat sich – wohlgemerkt ziemlich sponti – für die Beibehaltung entschieden, die Sozis spielen die Berufsheerfans. So weit, so überaschend. Einig scheint man sich, dass das Bundesheer für Katastrophenhilfe recht gut gebraucht werden kann. Stimmt.

Was uns Jausengegner allerdings ein bisserl Fragezeichen im Kopf bereitet: Wozu braucht man zum Katastrophenhelfen eigentlich Waffen? Ein sicheres Europa, na gut. Aber der Winzling Österreich da mittendrin – der braucht auch sein eigenes Heer? Wenn Österreich wirklich einen Individualangriff zu befürchten hätte, dann wollen wir doch bitte nicht ausschließen, dass die bösen Kräfte von außen sich zukünftig vielleicht auf noch kleinere Einheiten stürzen. Dornbach? Döbling? Oder gar Retz?

Obwohl: Retz wird sich schon verteidigen müssen. Ein bisserl zumindest. Heute eben. Hoffentlich. Come on, Sportklub!

Der Zahntechniker mit der steifen Körperhaltung

Bitte rechts gehenUnsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub. Ausgabe vom 07.09.2012 | Heimspiel gegen SKU Amstetten.

 

 

Heute kommt Amstetten. Über Amstetten macht man keine Witze, wie man auch über Strasshof keine macht. Und über den Zahntechniker mit der steifen Körperhaltung schon gar nicht, weil das wäre dann ja Hetze und kein Witz mehr. Und diese Hetze wäre natürlich eine ungeheuerliche. Und jene Menschen, die diese Witze machten, wären dann entsprechend linkslinke und gewaltbereite Gegner – selbst, wenn es sich dabei um liebenswerte Jausengegner oder harmlose PfadfinderInnen handelt. Mit letzteren kennt sich bekanntlich eine besonders gut aus: die Tante vom Zahntechniker mit der steifen Körperhaltung. Sie erkennt auch hier, wie wir im Unterhaltungs- und Informationscrossover des österreichischen Rundfunks erfahren durften, insbesondere in Waldregionen die Tendenz zur Grenzüberschreitung. Aber wir haben nichts gegen die Tante und die anderen Kumpels des Zahntechnikers mit der steifen Körperhaltung, solange sie sich integrieren, sie Deutsch können und sie sich an die Gesetze halten. Aber irgendwo happert es im Leben dann eben doch immer. Auch in Amstetten: Mit dem Siegen ist das nie etwas geworden gegen den Sportklub, wobei die Niederösterreicher bei der letzten Begegnung in Dornbach immerhin einen Punkt mit nachhause nehmen durften. Das war am 16. März dieses Jahres, am Geburtstag von H.P. Baxxter, dem Sänger von Scooter. Auf Deutsch bedeutet „scoot“ nicht nur „rutschen“ und „sausen“, sondern eben auch „abhauen“, also freiwillig verschwinden – nicht unfreiwillig, wie es Asylsuchende tun. Von denen gibt es übrigens so wenige in Österreich, dass sie insgesamt nur 0,25 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Dieser quantitative Lercherlschas reicht offensichtlich aus, dass sich die Angsthasen und Argumentationsauffälligen in dieser Republik regelmäßig massiv überschwemmt fühlen. Gibt’s ja nicht. Gibt’s doch. Muss aber nicht sein. Die Dinge dürfen sich ändern. Ja, man darf wieder siegen gegen Amstetten. Heute zum Beispiel. Come on, Sportklub!

Urlaub im Kopf

BierbeckenUnsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub. Ausgabe vom 24.08.2012 | Heimspiel gegen Rapid Amateure

 

 

Heute kommt die Rapid. Mit der Zweier-Panier. Dem zweiten Anzug.
„Panier“ ist aber bekanntlich im Österreichsichen nicht nur das schöne Wort für Bekleidung, sondern auch für die Bröselhülle von gebackenen Speisen. Als ausgewiesene Jausen-Gegner halten wir uns jedoch eher an eine dritte Definition: paniert sein = betrunken sein.
Ein Mitglied des Forums auf sportclubplatz.com verwendet den schönen Footer „Saufen ist Urlaub im Kopf.“ Zugegeben, dieser Satz ist nicht sehr alkoholfrei, verspricht aber zumindest einen Kurzurlaub. (Sollte er länger dauern, würden wir relativ dringend raten, Arzt oder Reisebüro aufzusuchen.) Klingt außerdem viel geschmeidiger, wenn man sich für einen versäumten Termin nicht wegen eines Katers entschuldigt, sondern per lässigem „Sorry, ich hatte einen Jetlag!“.
Und wir, die im Sommer gehaltvoll Daheimgebliebenen, die wir über die Medien tagtäglich an den internationalen Katastrophen leiden: Hermann Maier kann Armin Assinger gerade noch vor dem Ertrinken retten. Österreich hält sich als eine der wenigen Nationen noch an das Olympische Motto „Dabei sein ist alles“ und erhält dafür nicht einmal eine Medaille. Und der einzige, der Gold hat, ist der Onkel Frank. Und der kommt bekanntlich aus Amerika – und vom Fußball …
Ok, auch der Sportklub hat bis heute nur 3 Punkte gemacht. Aber umgerechnet in Schilling sind das immerhin mehr als 41!
Wenn wir also nach der neuen Frank’schen Regel rechnen, verfügen wir jetzt schon über einen Punktestand, der am Ende der letzten Saison für Rang 6 gereicht hat – und das nach 3 Runden!
Wir sollten uns also vielleicht doch an die Zeilen des Ostbahn-Kurti erinnern: „Horchts, was euch der Onkel sagt!“
Aber wer schafft das schon, ohne paniert zu sein? Kurze Sommerfrische!
„Panieren“ trägt im Österreichischen allerdings noch eine Bedeutung, die uns das ganze Sommerlochrechnen ersparen würde: „den Gegner hoch schlagen“.
Come on, Sportklub!

Nächste Ausgabe & nächstes WSK-Heimspiel: Freitag, 07.09.2012 WSK – SKU Amstetten

Come on, Sportklub!

Wiener SportklubUnsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub. Ausgabe vom 10.08.2012 | Heimspiel gegen Ostbahn XI

 

 

Heute kommt die Ostbahn XI. Aus Simmering. Wie wir auch.

Und es war irgendwann in den frühen 90er Jahren, als wir nach Wien reisten, um uns am Sportclub-Platz den WSC gegen einen anderen Wiener Großklub anzusehen (Farben der Redaktion bekannt). Als Rookies auf dem Weg zur Friedhofstribüne hatten wir uns aber „auf die Kainzgasse“ verirrt. Und da standen wir nun unter vielen Auswärtsfans. Man war scheinbar nicht das erste Mal hier, und um zu vermeiden, dass die Ankunft der dezenten Reisegruppe unbemerkt blieb, informierte man im Sekundentakt: „Die …  Wien – ist wieder da!!“ Jetzt wussten die Gastgeber Bescheid.

Am Spielverlauf fortan weniger interessiert, widmete man sich mehr dem Linienrichter. (Der damals noch so genannt wurde, so wie man auch noch „Neger“ sagen durfte, wie uns die Schwarmintelligenz des Gästeblocks eindrücklich versicherte.)

Jedenfalls aber dürfte der Fahnenmann einige, den Großklubanhängern wenig plausible Zeichen gesetzt haben, sodass man versuchte, diesen zur Rede zu stellen. Da wurde gefragt, ob ihm nicht ganz wohl wäre. Ob er sich geistig fit fühlte. Oder ob ihm gar lebenswichtige Organe chirurgisch entfernt worden wären. Kurz: Man war sehr besorgt um ihn. Überhaupt dürfte der Outwachler allen hier gut bekannt gewesen sein. Schließlich kannte man seine sexuellen Vorlieben, seine Religionszugehörigkeit, ja sogar der Beruf der Mutter wurde mehrfach erwähnt. Trotz aller Fürsorge, würdigte der Assistent sie jedoch keines Blickes. Gar nicht erbost über das ignorante Verhalten, bemühte man sich weiter altruistisch um das Wohl des unermüdlich auf- und ab Trabenden. Nicht wenige spendeten ihm kühlende Duschen mit teuer gekauftem Bier an diesem heißen Tag. Andere wieder hatten Sorge, der junge Mann habe vielleicht sein Jausensackerl vergessen und versuchten ihn, gekonnt über die Abzäunung zielend, mit einer zünftigen Jause aus Speckstangerln und Liptauersemmerln zu laben.

Seither sind wir Jausengegner. Auf der FHT. Come on, Sportklub!

Nächste Ausgabe & nächstes WSK-Heimspiel: Freitag, 24.08.2012 WSK – SK Rapid (A)