Archiv der Kategorie: Momentum

Das brisante Burkaverbot

momentum_1

Sind wir uns doch ehrlich. Seit Jahren versteht es ausschließlich unsere rechtspopulistische Minderheit im Lande, die wahren Probleme des kleinen Mannes und seiner mitgemeinten alleinerziehenden Billakassierin tatsächlich ernst zu nehmen: Rettung der Bundeshymne, Rettung der Käsekrainer, Rettung des Nikolo, Rettung der Ampelmännchen. Ja, das sind die großen Sorgen, die den kleinen Leuten alltäglich unter den Nägeln brennen. Neu hinzugesellt hat sich in diese Kiste das dringend zu lösende Problem der unübersehbar großen Masse an Burkaträgerinnen. Die Burka, eine Gefahr für uns alle? Der zwingende Zusammenhang der heimatlichen Vordenker: Terror.

Ja, da gehört hart durchgegriffen. Schließlich weiß man, die meisten Terroristen sind weiblich und tragen während ihrer grausigen Untaten unentwegt Burka. Das freiheitliche Weltbild erkennt in der Burka außerdem ein Symbol für die Unterdrückung der Frau: Man sieht damit doch so schlecht beim Kochen, Putzen und Bügeln.

Wir dürfen die Realität nicht wegblenden. Erst vor wenigen Wochen kam es in Dresden zu einem Anschlag auf eine Moschee. Nach rechtspopulistischer Logik gibt es darauf nur eine einzig richtige Reaktion: eine umgehende Diskussion über Kleidungsvorschriften für Klosterfrauen. Sicher ist sicher.

Diese Kolumne ist erschienen am 15.10.2016 in Der Moment 16/3 (‎Momentum – Kongress für kritische Wissenschaft)

Die blaue Europapartei

momentum_1

Nur weil die FPÖ den Begriff Öxit geprägt hat, will die linkslinke Schickeria nun die umstrittene Heimatpartei ins antieuropäische Eck drängen. Schwachsinn! Natürlich ist die FPÖ eine lupenreine Europapartei, da wetten wir jeden Schilling darauf. Man beachte die zunehmende europaweite Vernetzung der Blauen, insbesondere mit der deutschen Bruderpartei AfD. Die “Alternative für Deutschland” und die FPÖ rücken unübersehbar zusammen. Ursprünglich hatte man sogar einen Zusammenschluss ins Auge gefasst, den das System skrupellos verhinderte. Der gemeinsame Parteiname ist seit 1945 verboten.

Der Auftakt zur neuen Liebschaft gestaltete sich nicht unkompliziert. Strache und Petry waren bei ihrem ersten Treffen voneinander doch einigermaßen entsetzt: Du meine Güte, ein Ausländer! Mittlerweile klappt der gemeinsame Kurs: Man teilt sich zusammen ein Gehirn. Offensichtlich mischt Nicht-Kanzler und Nicht-Bürgermeister Strache nach seinen heimatlichen Misserfolgen nun vermehrt in der deutschen Politik mit. Historisch brisant. Hat er doch glatt die Geschichte mit der Kunstakademie übersprungen.

Leider hat die Zusammenarbeit von FPÖ und AfD ein Ablaufdatum. Wenn beide Parteien in ihren Ländern erst einmal regieren, wird es schwierig mit den regelmäßigen Treffen. Trennt die beiden Staaten dann nicht ein unüberwindbarer Zaun?

Diese Kolumne ist erschienen am 15.10.2016 in Der Moment 16/3 – Momentum – Kongress für kritische Wissenschaft)

Der rote Wunderwuzzi

momentum_1Ein politisch spannendes Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Zweifellos ein erfolgreiches Jahr, zumindest für die SPÖ. Zunächst erreicht ihr Präsidentschaftskandidat Rudolf Hundstorfer einen souveränen Platz unter den Top Ten, danach findet auch Werner Faymann – trotz massivem Widerstand aus der Basis (“Werner, der Kurs stimmt.”) – endlich sein Türl zwischen den Seitenteilen. Weg ist er. Das Interesse für Faymann liegt seit seinem Rücktritt österreichweit bei Null. Das sind immerhin drei Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Faymann hat Platz geschaffen für die große Zukunftshoffnung der SPÖ, Christian Kern. Das sozialdemokratische Wording hat Kern zwar noch nicht so drauf (Freundschaft, Seilschaft, Prost), aber der neue Staats- und Parteichef bekommt doch tatsächlich mehr als einen geraden Satz heraus. Die Sozialdemokratie steht Kopf.

Kritische Stimmen meinen, die SPÖ scheiterte bislang an der Kommunikation. Schwachsinn! Ihre Misserfolge kommuniziert die Partei doch konstant seit Jahren. Es wird sich weisen, ob Kern tatsächlich zum Wunderwuzzi wird. Ein gewagtes Unternehmen. Zuerst Chef der Bundesbahn, jetzt Chef der Bundespartei. Vom Großkonzern zum Nischenbetrieb. Wobei: Faymann war acht Jahre lang Kanzler. Wenn Kern jetzt sieben Jahre gar nichts macht, ist er schon erfolgreicher als sein Vorgänger.  

Diese Kolumne ist erschienen am 13.10.2016 in Der Moment 16/1 (‎Momentum – Kongress für kritische Wissenschaft)