Kieselsüchtige Koffer

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sport-Club: Heimspiel am 30.03.18 gegen SKN St. Pölten Juniors

Heute kommt St. Pölten. Willkommen! Fast ein bisserl untergegangen, die Nachricht, dass Peter Westenthaler ein weiteres Mal rechtskräftig verurteilt wurde. Diesmal zu einer unbedingten Haftstrafe, die er zumindest vier Monate absitzen muss. 120 Tage Schmalz, Hojac erhalt’s. Es ging um eine Fördermillion an die Bundesliga und eine Zahlung von 300.000,- der Österreichischen Lotterien an das BZÖ.

Da koffert man sich redlich ab und das ist dann der Lohn dafür. Aber zumindest hat Westenthaler jetzt Zeit, Rosa Luxemburg zu lesen: Freiheit ist immer die Freiheit der Anderen. Zum Beispiel eines anderen Kofferträges mit fescher Föhnfrisur.

Er ende als Hilfsarbeiter mit einer “akademischen Ausbildung”, sagte Ingenieur Westenthaler. D.h., er hat Matura und danach offensichtlich brancheneinschlägig ein paar Jahre gearbeitet. So gesehen hat er ein bisserl zu viel gearbeitet, sonst wär’s sogar was im Bundeskanzleramt geworden. Hingegen sieht er sein Leben zerstört und brachte in dem Zusammenhang auch den Tod seiner Schwester ins Spiel. Westenthaler und seinesgleichen modifizieren damit den alten französischen, absolutistischen Leitsatz zur Perfektion: Le Opfer c’est moi.

Wo wir andererseits doch genug aktuelles politisches Kleingeld abzuarbeiten hätten. Da kann dieses ewige Zurückschauen auf die Vergangenheit gar nix, außer stören. Deswegen sagen wir auch ganz klar, dass endlich Schluss sein muss mit dieser Vergangenheitsbewältigungshysterie, und bringen wir es doch ein für alle Mal auf den Punkt: Es war nicht alles schlecht unter Schwarz-Blau I. Sonst hört doch diese ewige Nachbohrerei nie auf und wir müssten uns die Frage stellen: Wer war jetzt von den Verantwortlichen der ersten Wende-Periode eigentlich noch nicht im Gefängnis? Und wie heißt die FPÖ jetzt wirklich? Freigänger Partei Österreichs?

Muss denn die Politik im Sport immer eine Rolle spielen? Ja, weil der Sport genauso gesellschaftlich relevant ist, wie alle anderen politischen Agenden. Nicht schlecht ist es aber, wenn das fähige Leute tun und keine kieselsüchtigen Koffer.

Come on, Sport-Club!