Bist du Moped!

Die Olympischen Spiele 2020 im Gemeindebau?
Die Gebrüder Moped werfen sich in ihrem zweiten Programm als Vertreter ihrer Heimatgemeinde Kaiserebersdorf voll ins Zeug. Schließlich geht’s um die Olympiabewerbung – dabei sein ist alles!
Die Konkurrenz scheint allerdings übermächtig: Geht’s doch gegen Mailand, Antwerpen und Boca Raton in Florida! Aber was sind schon noch so klingende Namen gegen die traumhaften Quadratbetonblöcke zwischen Raffinerie und Urnenhain? Zimmer mit Ausblick auf Zimmer mit Ausblick.
Das luxuriöse Wellness-Angebot im Spa-Bereich der örtlichen Kläranlage, oder die urige Wirtshausschlägerei mit echten Eingeborenen, nach der man den Abend entspannt bei einem gemütlichen Viertel Rum ausklingen lassen kann.
Schaffen es die Moped-Brüder, das Unmögliche möglich zu machen? Wird das entzückende Kaiserebersdorf am Tellerrand unserer Republik („Der Nabel vom Arsch der Welt“) wirklich zum romantischen Olympia-Austragungsort 2020, wo sich der kleine Mann von der Straße und die allein erziehende Billa-Kassierin noch gerne Gute Nacht sagen?

Tech-Rider „Bist du Moped!“ [pdf]

Peter Blau über „Bist du Moped!“ auf kabarett.at

Wiener Katastrophalgemeinde
Die Idee, dass sich ausgerechnet Kaiserebersdorf als Austragungsort für die Olympischen Spiele 2020 bewirbt, ist schon mal eine feine Vorgabe für ein Kabarettprogramm. Und ausgerechnet jenen Brüdern, die tatsächlich mit dem Nachnamen Moped geschlagen sind, obliegt es, ihre Heimatgemeinde beim Bewerbungskomitee zu repräsentieren. Anders gesagt: Zwei mit einem Namen, dessen Aura „zwischen Radarkasten und Mundgeruch“ anzusiedeln ist, vertreten eine Ansiedlung im unentschlossenen Niemandsland zwischen Stadt und Feld, in deren Einzugsgebiet drei Attraktionen zu finden seien: „Die Entsorgungsbetriebe Simmering, die Hauptkläranlage Wiens und der Zentralfriedhof“. Also ein Knotenpunkt für Abfälle aller Art. Dabei haben die Mopeds die Müllverbrennung Pfaffenau und die Müllverwertungsanlage Biogas noch gar nicht erwähnt.

Als größten sportlichen Erfolg Kaiserebersdorfs können die Mopeds bei ihren olympischen Bemühungen immerhin den Gewinner eines regionalen Hendl-Schnaps-Turniers vorweisen.
Und die organisatorische Kompetenz dieser Wiener Katastralgemeinde mit Sichtweiten kaum bis zum Tellerrand schlägt sich in der Gründung der SCHAS-Partei nieder: „Schöner als Simmering“.

Inmitten dieser grauen Ignoranz eines weltverschlossenen Kaffs, in dem die Wende 1989 nur wegen einiger Parkplatzrangeleien mit fremdsprachigen, ostdeutschen Trabi-Fahrern bei einem Shopping-Center wahrgenommen wurde, wachsen die Mopeds auf. Und sie haben viel über ihre Heimat zu erzählen. Und über ihre Kindheit: Als Söhne streng orthodoxer Sozialisten, bei denen ständig über das Leid auf der Welt geweint werden musste, bekamen sie schon besonders früh das beinharte Gesetz der Kaiserebersdorferstraße zu spüren.

Die Gebrüder Moped gehen bei ihrem zweiten Programm mit einer sympathischen Unbefangenheit ans Werk. Und das, ohne es dabei beim Text und Rollenspiel an professioneller Sorgfalt vermissen zu lassen. „Bist du Moped“ ist ein Programm, das vorgibt, weniger zu sein, als es in Wahrheit ist. Ein durchaus abendfüllend unterhaltsames Understatement. Kommt lässig daher, wie ein etwas improvisiertes Studenten-Kabarett – und entpuppt sich als ideenreiches und genau gesteuertes Programm, das nie ins Fahrwasser der Zwangsoriginalität abdriftet. Einfach amüsant. Und das eben auch gerade deshalb, weil es diese Qualität nie mit knatterndem Banner vor sich herträgt.