Zahnzuckerl und Pasta Asciutta

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub: Heimspiel vom 21.04.17 gegen Ritzing

Heute kommt Ritzing. Willkommen! Wir Mopeds sind so alt, dass wir in einer Zeit Kinder waren, als der Sportclub noch in der 1. Liga spielte. Aber war früher wirklich alles besser? Nein! Allerorten hieß es damals noch: „Seids froh, dass das habts, weil wir haben ja nicht die Möglichkeit dazu gehabt!”

Wir haben das alles ja aber gar nicht gewollt: Jeden Vormittag ein Zahnzuckerl. Oder jedes Jahr am Weltspartag ein Dracula-Gebiss aus Plastik in der Länderbank. Überfluss hieß das.

Um sich diesen Überfluss leisten zu können, waren unsere Mamas auch die ersten, die arbeiten gegangen sind. Früher strikte Trennung: Papa geht arbeiten (oder wahlweise in Krieg), Mama macht Haushalt und Kinder. Bei uns: Gleichberechtigung! Mama geht auch arbeiten plus  Haushalt, plus  Kinder. Weil die Papas wollten den Mamas ihre angestammten Rechte nicht streitig machen.

Nun hatten die Mamas aber keine Zeit mehr zum Kochen. Also gab es damals die ersten Fertiglebensmittel. Besser: “fertige Konservierungsmittel in chemischen Verbindungen mit lebensmittelähnlichem Hintergrund”. Eine neue Kulturtechnik war zu erlernen: Die geschmackliche Unterscheidung zwischen Produkt und Verpackung. Denn grundsätzlich hat das alles gleich geschmeckt und oft war das Cellophan besser als der Strudelteig selbst, denn das hat nicht so sehr nach Konservierungsmittel geschmeckt.

Kinder heute müssen extrem viel wissen: Was gibt’s heute, morgen, mittags, früh … zu essen? Bei uns: Immer das Selbe in jeweils anderem Aggregatszustand.

So auch in den Großküchen. Wenn wir zu Mittag in den Hort gekommen sind, mussten wir nicht erst nachschauen, was es zu essen gibt. Wir haben uns das Flascherl Maggi-Suppenwürze genommen, die Hälfte über den Teller geschüttet und dann war’s genießbar. Egal, ob das eine Pasta Asciutta oder ein Kaiserschmarrn war.

Wir wollten Ihnen aber keinen Gusto auf Inzersdorfer machen, sondern auf Dornbacher.

Come on, Sportklub!

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