Der rote Wunderwuzzi

momentum_1Ein politisch spannendes Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Zweifellos ein erfolgreiches Jahr, zumindest für die SPÖ. Zunächst erreicht ihr Präsidentschaftskandidat Rudolf Hundstorfer einen souveränen Platz unter den Top Ten, danach findet auch Werner Faymann – trotz massivem Widerstand aus der Basis (“Werner, der Kurs stimmt.”) – endlich sein Türl zwischen den Seitenteilen. Weg ist er. Das Interesse für Faymann liegt seit seinem Rücktritt österreichweit bei Null. Das sind immerhin drei Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Faymann hat Platz geschaffen für die große Zukunftshoffnung der SPÖ, Christian Kern. Das sozialdemokratische Wording hat Kern zwar noch nicht so drauf (Freundschaft, Seilschaft, Prost), aber der neue Staats- und Parteichef bekommt doch tatsächlich mehr als einen geraden Satz heraus. Die Sozialdemokratie steht Kopf.

Kritische Stimmen meinen, die SPÖ scheiterte bislang an der Kommunikation. Schwachsinn! Ihre Misserfolge kommuniziert die Partei doch konstant seit Jahren. Es wird sich weisen, ob Kern tatsächlich zum Wunderwuzzi wird. Ein gewagtes Unternehmen. Zuerst Chef der Bundesbahn, jetzt Chef der Bundespartei. Vom Großkonzern zum Nischenbetrieb. Wobei: Faymann war acht Jahre lang Kanzler. Wenn Kern jetzt sieben Jahre gar nichts macht, ist er schon erfolgreicher als sein Vorgänger.  

Diese Kolumne ist erschienen am 13.10.2016 in Der Moment 16/1 (‎Momentum – Kongress für kritische Wissenschaft)