Romy Schneider und Dosen-Pasta Asciutta

Wiener SportklubUnsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub: Doppelausgabe vom 08.07.2015 (Freundschaftsspiel gegen Valencia) und 12.07.2015 (Freundschaftsspiel gegen Paris Saint Germain)

Heute kommt die große Welt nach Dornbach. Bienvenido, bienvenue! Als Kinder im Kaiserebersdorfer Gemeindebau träumten wir davon, es einmal weiter als bis Albern zu schaffen.

Paris! Zentrum der mondänen Kultur-Avantgarde. In Frankreich umrankte sogar Politiker die Aura der großen Poesie. Alleine der Staatspräsident: Valéry Giscard d’Estaing! Nur der Name gereichte schon als Gesamt-Libretto für ein ganzes Album von Gilbert Bécaud. Giscard d’Estaing trat nicht vor Kameras – er erschien! Und niemand hätte es gewundert, wäre plötzlich Romy Schneider an seiner Seite gestanden, weil Claude Chabrol es so inszeniert sehen wollte. Unser Staatsoberhaupt hingegen: Bezirksvorsteher Otto Mraz. Ein Name wie der Fluch eines Wiener Taxlers und eine Ausstrahlung wie die eines Simmeringer Bezirksvorstehers.

Und wir träumten vom großen weiten Meer! Valencia! Costa del Azahar! Mit dem Finger auf der Landkarte des Unterstufenatlanten barsten wir vor Sehnsucht nach einer Anti-Bibionischen See. Tiefes, echtes Meer, das nach Pinien und Safran, nicht nach in Tiroler Nussöl marinierter Dosen-Pasta Asciutta roch.

Wir träumten. Von der Freiheit. Nichts besessen, um so eine Reise zu bezahlen und besessen von der Idee, stiegen wir in den Bus der Linie 72A. Niemand sonst im Bus, außer wir und der Fahrer. Wir schwärmten ihm vor. Er solle sein Leben ändern (wenn schon nicht seine Fahrweise). Auch er solle seinen Traum verwirklichen. Schon Niki Lauda hatte damals am Lebensentwurf gezweifelt, immer im Kreis zu fahren. Freiheit, Monsieur le Conducteur! Bleiben wir diesmal nicht am Zentralfriedhof stehen. Fahren wir weiter! Nach Paris! Stadt der Liebe! Über den Westen der Stadt in die Freiheit! Den Zwängen endlich entfliehen!

Und er tat es! Fuhr mit uns über das Krematorium hinaus in die Freiheit! Und endlich auf dem großen Boulevard baten wir ihn stehenzubleiben. Wir hatten unser Ziel erreicht.
Dornbach, Hernalser Hauptstraße, Ecke Kainzgasse.

Come on, Sportklub!