Rundumadum: Die Gebrüder Moped bereisen die Republik

Rundumadum Die Gebrüder Moped bereisen die Republik

Wenn du wie wir aus der Bundeshauptstadt der Republik Österreich kommst, hast du es nicht einfach. Natürlich wissen wir Wasserköpfe beiderlei Geschlechts, wie es um unsere Sympathiewerte außerhalb des Wiener Beckens steht: Spätestens ab der Shopping City Süd sind sie genau so hoch wie die burgenländischen Berge. Für diese nüchterne Erkenntnis brauchst du nicht erst den Geschriebenstein der Weisen zu finden. Wir sind so aufgewachsen, wir kennen es nicht anders.

Richtig, wir Gebrüder mit dem bedingt umweltfreundlichen Familiennamen kommen aus Wien. Aus Wien? Mit nichten. Wir stammen nicht wirklich aus diesem Wien, das man vom DKT, von Ansichtskarten oder der Wienwoche kennt. Nein, es kommt schlimmer. Wir sind aus Simmering. Um genau zu sein: aus Kaiserebersdorf, der äußersten Randregion des Wiener Außenbezirks Simmering. DKT spielen haben wir nie gelernt, es gibt nur Schnapskarten und auf Wienwoche fahren wir auch. Kaiserebersdorf ist der Außenbezirk eines Außenbezirks. Wenn manche meinen, Simmering sei der Arsch der Welt – geschenkt. Denn Kaiserebersdorf ist dann der Nabel vom Arsch der Welt. Und dort leben Menschen. Zum Beispiel wir.

Und wir Kaiserebersdorferinnen (und natürlich auch die mitgemeinten Kaiserebersdorfer) haben’s im Grunde gut. Denn während dem Wiener in den weniger urbanen Regionen der Republik gerne mit Skepsis und gelegentlich auch Ablehnung entgegengetreten wird, ernten wir – wenn überhaupt – Mitleid: Da habts ein Keks, ihr Kaiserebersdorfer Buben! Damit können wir leben, vielen Dank.

Die meisten von uns leben leider nicht mehr. Kaiserebersdorf hat zwar mehr als drei Millionen EinwohnerInnen, der Großteil liegt allerdings am Zentralfriedhof – in der Waagrechte. Kaiserebersdorf ist tot und dafür auch ein bisschen berühmt. Hohe Promi-Quote, dadurch aber auch manche Touristen. Wir leben also quasi vom horizontalen Gewerbe.

Kaiser hin, Eber her: Aufgrund unseres selbst auferlegten Kulturauftrages, überschreiten wir ohnedies in regelmäßigen Abständen unseren kleinen vorstädtischen Tellerrand, um die unendlichen Weiten der viel schöneren Republik kennen zu lernen. Wir reisen. Und das sehr gerne. Erst recht, wenn wir hier im publizistischen Neuland, der wunderbaren Kulturzeitung, darüber berichten dürfen. Von nun an regelmäßig, olé!

Auf unseren Reisen erleben wir in einer Tour wundervolle Menschen, die allesamt Wundervolles vollbringen. Im schönen Kärnten, dem Ex-Freistaat in spe, zum Beispiel. Im dortigen Finkenstein beschenken sie junge Familien noch auf eine herzerwärmende Weise, wie wir sie in der Restrepublik mittlerweile bitter vermissen. Jeder Säugling bekommt anlässlich seiner Geburt von der Gemeinde, als Gruß aus der Amtsstube, eine Ration Müllsäcke ausgehändigt. Was am ersten Blick nach einer bürokratischen Panne aussieht, basiert in Wahrheit auf einer zutiefst humanistischen Grundlage. Das Leben ist Kreislauf, Kreislauf ist Leben. Gib den Kleinen den Müllsack und den Verblichenen das Hipp-Glas! Als Grabbeigabe und in verschiedenen Sorten erhältlich. Schön. Ab dem vierten Kind bekommt jede Familie einen eigenen Müllwagen. Und ab dem fünften sollte man umgehend die Familienberatungsstelle aufsuchen – oder wie die Finkensteiner sagen: die Kläranlage.

Fortschrittlich auch der Umgang mit Drogen. In der Kärntner Milch wurden neulich Spuren von Hexachlorbenzol gefunden – ein Nervengift, das Leber und Lunge schädigt. Kärnten zeigt eben, wie es geht! Endlich eine Substanz für Menschen, die sowohl mit dem Trinken als auch mit dem Rauchen aufhören möchten, ohne dabei auf ihre über Jahre mühsam aufgebauten Schäden zu verzichten. Kärntner Milch macht’s möglich: Lungenkrebs und Leberzirrhose – jetzt im Doppelpack.

Freuen Sie sich auf rührende Storys aus allen Bundesländern der Nation. Wie es der Vorarlberger schafft, den eigenen Harndrang zu regulieren, um seine Berge nicht schmutzig zu machen. Warum die Salzburger Haushalte ungeschlagene Meister des Nachbarschaftskonflikts sind. Oder die Wiener regelrecht prädestiniert zu sein scheinen, um als Opfer für Falschgeld herzuhalten.

Schönes auch immer wieder aus Niederösterreich, wenn regionale PolitikerInnen zum Beispiel ganze Menschenhorden in ihrem Haushalt melden. Diese sind daraufhin natürlich wahlberechtigt in der besagten Gemeinde, wobei kausale Verbindungen diesbezüglich ausgeschlossen werden. Es gilt die Zufallsvermutung. Der SPÖ-Vizebürgermeister von Laa an der Thaya beispielsweise hat bestätigt, dass alleine bei ihm im Haus neunzehn Personen gemeldet sind. Es handle sich eben um eine große Familie, erklärte der Politiker. Dabei wurde bei sämtlichen Recherchen ohnedies übersehen, dass im Hinterzimmer des musischen Nordösterreichers auch noch die Fischer-Chöre wohnen. Trotzdem ist Reinhart Neumayer von der SPÖ nur Vizebürgermeister. Wieviel Platz musste da vor der letzten Wahl wohl noch im strengen Besenkammerl von ÖVP-Bürgermeisterin Brigitte Ribisch gewesen sein? Uns ist zumindest seit diesen Vorfällen und Beobachtungen klar, warum wir als Badegäste in der Therme Laa immer auch einen Meldezettel ausfüllen müssen.

Wir verabschieden uns an dieser Stelle von unseren Leserinnen und Lesern aus Kaiserebersdorf und freuen uns mit Ihnen, der Leseschaft der Kulturzeitung, auf die kommenden Reisen. Durch das Land der begrenzten Unmöglichkeiten. Durch unser aller Österreich.

(Kolumne Rundumadum in Die Kulturzeitung 1/2015)