Sechs Felsen zum Europameistertitel

wsk1Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub: Heimspiel vom 03.06.2016 gegen Ritzing

Heute kommt Ritzing. Willkommen! Und schon wieder kann es arschknapp werden. Der Sportklub muss erneut auf Ergebnisse, Konstellationen, so wie Lust und Launen anderer setzen, um letztlich nicht ins Straßenbahnliga-Stadium zu verfallen. Danke für die Adrenalinspende, aber es ist das Leben als wählender Staatsbürger eh spannend. So ein stinkfader, elends langweiliger, völlig nichtssagender, beschaulicher neunter Tabellenrang wäre da durchaus ein entspannendes Freizeitvergnügen.

Unlängst haben wir von weitgereisten, gescheiten Freunden erfahren, dass es in einem der buddhistischen Tempel in Japan ein kontemplatives Gärtchen gibt, das etwa die Form eines Fußballfeldes hat. Es ist eine gerade Fläche mit säuberlich gerechter Kiesoberfläche. Innerhalb dieser Fläche sind sechs kleine Felsen angeordnet. Und zwar so, dass, egal von welcher Stelle außerhalb des Kiesvierecks man sie betrachtet, niemals alle sechs Felsen sichtbar sind. Mindestens einen der Felsen sieht man also immer nicht, weil einem von einem anderen Felsen die Sicht darauf verstellt wird. Das ist faszinierend. Und jenem buddhistischen Mönch, der sich dieses Gärtchen ausgedacht und umgesetzt hat, ist großer Respekt zu zollen. Denn hinter diesem Bild steckt natürlich eine tiefere Bedeutung, ein höherer Sinn. Fast noch faszinierender ist es, dass diese der Gartenanlage innewohnende fernöstliche Weisheit eins zu eins auf die Situation des Sportklubs umlegbar ist.

Wie? Das wissen wir natürlich nicht. Wir waren ja nicht dort, geschweige, dass wir es verstehen würden. Wir wissen aber spätestens seit dem Film “Indien” von Herrn Bösel alias Josef Hader, dass Japan kein Vorbild ist: Denn die Japaner essen die Suppe als Nachspeise!

Also halten wir uns für heute lieber an eine große fernwestliche Weisheit: ‘s isch Zeit, Mander! Schließlich wollen wir uns diesen Sommer in aller Geruhsamkeit auf einer fußballerischen Nebenbühne alle sechs Felsen vom Europameistertitel Österreichs anschauen.

Come on, Sportklub!