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14 Bummerln für Roma

Wiener SportklubUnsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub: Ausgabe vom 15.08.2014 | Freundschaftsspiel gegen AS Roma

Heute kommt Roma. Nach dem die Schwarz-Weißen gegen Juventus 7:0 gewonnen haben (1958, heim) und AS Roma gegen die Alte Dame 1:7 verloren hat (1932, auswärts), wird das sportliche Ergebnis wohl eher Nebensache sein (14:1, Schätzung).

Gelegenheit, uns einer Anekdote unserer schillernden Fußballkariere zu erinnern. Als sportbegeisterte Simmeringer Buben spielten wir damals klarer Weise bei Ostbahn XI. Meistens Schnapsen in der Kantine. Ein Leiberl hätten wir ohnehin nie gehabt – was sich im Endeffekt aber als Vorteil erwiesen hat.

Als nämlich Herbert Prohaska 1980 von Austria Wien zunächst nach Mailand und dann zum AS Roma wechselte, wurde eine Klausel schlagend, die die geschickten Ostbahner damals in den Verkaufsvertrag von Prohaska zur Austria 1972 miteingebaut hatten. Sollte Schneckerl jemals ins Ausland verkauft werden, steht Ostbahn noch einmal 1 Million Schilling zu. Das war in Schilling umgerechnet 1 Million, also sehr viel Geld, damit konnte man beim kleinen Wiener Ligaverein strukturell viel bewegen, reorganisieren und in die Jugendförderung investieren.

Gesagt, getan und schon eineinhalb Monate später stand der neueste Space Invadors-Automat auf dem Vereinsgelände, um den herum eine neue Kantine mit allem Komfort gebaut wurde. Wir spielten darin die komfortabelsten Schnapser aller Zeiten und mit der Zeit gesellten sich auch alle anderen Spieler zu uns. Die Klausel dürfte nämlich auch besagt haben, dass für die Million keinesfalls Fußbälle, Dressen oder dem Fußball verwandte Dinge angeschafft werden durften. Und als Simmeringer Ehrenleute hat man sich strikt daran gehalten. Dafür aber wurde ein Ölgemälde des berühmten Sohnes angefertigt, am zentralen Punkt des Vereins aufgehängt – in der Kantine über dem Space Invadors-Automaten – und wir huldigten Schneckerl zwischen jedem Bummerl. Grazie Roma!

Come on, Sportclub!

Come on, Sportklub!

Wiener SportklubUnsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sportklub. Ausgabe vom 10.08.2012 | Heimspiel gegen Ostbahn XI

 

 

Heute kommt die Ostbahn XI. Aus Simmering. Wie wir auch.

Und es war irgendwann in den frühen 90er Jahren, als wir nach Wien reisten, um uns am Sportclub-Platz den WSC gegen einen anderen Wiener Großklub anzusehen (Farben der Redaktion bekannt). Als Rookies auf dem Weg zur Friedhofstribüne hatten wir uns aber „auf die Kainzgasse“ verirrt. Und da standen wir nun unter vielen Auswärtsfans. Man war scheinbar nicht das erste Mal hier, und um zu vermeiden, dass die Ankunft der dezenten Reisegruppe unbemerkt blieb, informierte man im Sekundentakt: „Die …  Wien – ist wieder da!!“ Jetzt wussten die Gastgeber Bescheid.

Am Spielverlauf fortan weniger interessiert, widmete man sich mehr dem Linienrichter. (Der damals noch so genannt wurde, so wie man auch noch „Neger“ sagen durfte, wie uns die Schwarmintelligenz des Gästeblocks eindrücklich versicherte.)

Jedenfalls aber dürfte der Fahnenmann einige, den Großklubanhängern wenig plausible Zeichen gesetzt haben, sodass man versuchte, diesen zur Rede zu stellen. Da wurde gefragt, ob ihm nicht ganz wohl wäre. Ob er sich geistig fit fühlte. Oder ob ihm gar lebenswichtige Organe chirurgisch entfernt worden wären. Kurz: Man war sehr besorgt um ihn. Überhaupt dürfte der Outwachler allen hier gut bekannt gewesen sein. Schließlich kannte man seine sexuellen Vorlieben, seine Religionszugehörigkeit, ja sogar der Beruf der Mutter wurde mehrfach erwähnt. Trotz aller Fürsorge, würdigte der Assistent sie jedoch keines Blickes. Gar nicht erbost über das ignorante Verhalten, bemühte man sich weiter altruistisch um das Wohl des unermüdlich auf- und ab Trabenden. Nicht wenige spendeten ihm kühlende Duschen mit teuer gekauftem Bier an diesem heißen Tag. Andere wieder hatten Sorge, der junge Mann habe vielleicht sein Jausensackerl vergessen und versuchten ihn, gekonnt über die Abzäunung zielend, mit einer zünftigen Jause aus Speckstangerln und Liptauersemmerln zu laben.

Seither sind wir Jausengegner. Auf der FHT. Come on, Sportklub!

Nächste Ausgabe & nächstes WSK-Heimspiel: Freitag, 24.08.2012 WSK – SK Rapid (A)