Alle Beiträge von Gebrüder Moped

Sexy und geil, Herr Minister!

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sport-Club: Heimspiel am 11.05.18 gegen Horn

Heute kommt Horn. Willkommen! Langsam wird’s eng für uns. Wir hinken schwer hinterher, und die gesetzten Zukunftszeichen stehen eher auf Turboboost – im Retourgang. Verunsicherung, miese Ergebnisse, unqualifizierten Zurufen verpflichtet, Expertenmeinungen ignorierend, augenscheinlich planlos und in den Antworten darauf im frühen 20. Jahrhundert verhaftet. Ja, wir müssen von einer Krise reden. Der Krise im Bildungswesen.

Vor wenigen Tagen konfrontierte Corinna Milborn den zuständigen Minister Heinz Faßmann mit der Tatsache, dass Studien stapelweise belegen, dass Noten kein geeignetes Mittel zur Leistungsfeststellung sind. Genau diese führt die Regierung nun aber in den Volksschulen verpflichtend wieder ein. Der Unterrichtsminister widersprach Milborn nicht. Er verwies aber – neben dem schlichten Hinweis auf das Regierungsprogramm, welches offenbar vom Berge Sinai stammt und also ehern ist – auf diesbezügliche Wünsche, die ihm Menschen per Brief zukommen haben lassen. Notensysteme verstärken die Vererbung von Bildungsniveaus. Sie werden nachweislich von verschiedenen Lehrenden völlig unterschiedlich vergeben. Sie erhöhen ungesunden Leistungsdruck auf Kinder, vor allem aber gibt es keine pädagogischen Argumente, welche Ziffernnoten gegenüber verbaler Beurteilung im Vorteil sehen. Doch seien wir uns ehrlich, das sind doch nichts weiter als stichhaltige Gerüchte gegenüber so einem echten Brief.

Daher unser Aufruf:
Schreiben wir Heinz Faßmann einen Brief! Es muss endlich Schluss sein mit dem völlig überholten Punktesystem in Österreichs dritter Liga. Eine Leistungseinstufung in Zahlen mag etwas für bürgerliche Vereine aus dem 19. Jahrhundert und dem Cottageviertel sein, aber nicht für unseren Sport-Club, bitte! Wir sind wahr, gut, schön, sexy und geil. Diese Attribute kannst du nicht in Zahlen gießen.

Come on, Sport-Club!

Die Erotik des Stellungsspiels

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sport-Club: Heimspiel am 20.04.18 gegen FCM Traiskirchen

Heute kommt Traiskirchen. Willkommen! Manchmal zahlt es sich wirklich aus, seinen fußballerischen Fokus auch einmal auf die ballesterischen Nebenschauplätze abseits des Glamours und der Elite zu richten. Also weg vom Sport-Club und Österreichs dritter Liga, hin zu kleinen und trotzdem beachtenswerten Vereinen, die oft nicht weniger Sexiness verheißen. Zum Beispiel Manchester City.

Der englische Kleinklub hat vor kurzem nämlich eine Kooperationsvereinbarung über mehrere Jahre mit der Dating-App Tinder abgeschlossen. Fußball und Dating. Diese zentralen Lebensbereiche passen aber auch wirklich gut zueinander. Bei beidem ist der Erfolg eine Frage des guten Stellungsspiels, die Trefferquote spielt eine entscheidende Rolle und es empfiehlt sich da wie dort klare Abmachungen darüber zu treffen, ob und wieviele Wechsel gestattet sind. Außerdem ist niemand so naiv, nicht zu wissen, dass es bei der Partnerwahl in beiden Fällen auch um finanzielle Absicherung geht.

Daher ist es übrigens dem Fußballer Davide Iovinella keinesfalls zu verdenken, dass er sich zu einer beruflichen Veränderung entschieden hat. Der 24-jährige Italiener ist jetzt nämlich Porno-Star. Seine Umschulung findet gerade auf der Hochschule für Pornos, der „Siffredi Hard Academy“, statt. Diese liegt in Ungarn, wo Fußball “Futbol” heißt. Wir können nichts dafür, dass es sich bei dieser Meldung um keinen Witz handelt und wir wollen in aller Seriosität sämtlichen potenziellen Wortwitzen dazu entsagen. Allerdings muss der Hinweis erlaubt sein, dass sich Iovinella unter seinem neuen Künstlernamen Davide Montana nun auf dem Höhepunkt seiner Karriere sieht. Zumindest finanziell.

Umso glücklicher können wir uns daher schätzen, dass wir uns dem Fußball in Dornbach widmen dürfen, wo jedes Match ein Höhepunkt ist und “finanzielle Notlage” oder “sportliche Krise” wie Fremdwörter aus fußballerischen Schwellenländern wie Italien oder England klingen.

Come on, Sport-Club!

Heute gehört uns Österreich und morgen die ganze Scheibe

Buch (Milena Verlag) & Lesung*Leinwand*Lieder
ab Herbst 2018

Der Österreicher stirbt aus. Eine Katastrophe, die lediglich das Herz ausländischer Historiker höher schlagen lässt: Erstmals seit den Dinosauriern stirbt endlich wieder jemand aus. Künftige Generationen von Ausländerkindern spielen mit kleinen Plastik-Österreichern und Steven Spielbergs Erben liefern die Verfilmung dazu: Paradeiser Park. Der letzte Österreicher dreht das Licht ab.

Im Dienste des Abendlandes präsentiert das Satire-Duo Gebrüder Moped sein neues Buch „Heute gehört uns Österreich und morgen die ganze Scheibe“ (Milena Verlag). Jetzt geht es der Alpen-Apokalypse an den Kragen.

In ihrer multimedialen Lesung bringen die zwei Truther der Kleinkunst den längst fälligen Beweis: Österreich dreht sich einmal täglich um sich selbst, das Ausland bewegt sich um Österreich. Denn der liebe Gott hat’s gut gemeint mit seiner Heimat.

Vom Pastern, Pograpschen und anderem Traditionshandwerk, über die kulinarischen Ergüsse wie Holo-Kost und Reichs-Burger, bis hin zu den größten Persönlichkeiten der österreichischen Geschichte: Maria Rauch-Kallat, Otto Wanz und Jesus Christus.

Die Gebrüder Moped, Autoren für Willkommen Österreich, Kolumnisten, Kuratoren und Kabarettisten, bekannt aus Facebook und Fernsehen, legen erstmals alle Belege auf den Tisch: Österreich ist besser. Leider erfährt diese umfassende Vormachtstellung zu wenig Anerkennung aus dem Ausland. Doch da können die dauerempörten Falterfahrradfahrerinnen noch so vehement dagegen treten: Österreich war an der Schöpfung nicht beteiligt. Wir waren das erste Opfer.

Pressematerialen zur Lesereise gibt’s hier.
Die ersten Termine da.
Booking-Anfragen dort.

95.000,- € Schutzgeld

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sport-Club: Heimspiel am 06.04.18 gegen FC Marchfeld Mannsdorf

Heute kommt Mannsdorf. Willkommen! Unlängst stellte sich also heraus, dass im Zuge des Baus des Krankenhauses Nord ein Esoteriker beauftragt wurde, “sämtliche natürliche am Grundstück vorhandene Energieflüsse wiederherzustellen und zu reinigen, alle nicht natürlichen Energieflüsse zu neutralisieren und eine Anhebung der Schwingungen auf das höchstmögliche Niveau“ vorzunehmen. Ein Satire-Schmankerl aus dem Hause KAV – danke!

Der “Bewusstseinsforscher” hielt außerdem fest, dass man einen Schutzring um die Gebäude legen habe können, „der verhindert, dass negative Energien des Umfelds Einfluss auf das Haus und die Menschen darin nehmen“. Bei den sonstigen Kostenüberziehungen für die Errichtung des Spitals verbuchte der KAV die Honorarnote des ehemaligen Autoverkäufers über wohlfeile 95.000,- € wahrscheinlich unter “Schutzgeld”.

Vizekanzler HC Strache tobte darüber nicht nur auf Facebook. Zu recht. Er hat damals für seine eigene “Mystikerin” bloß 6.000,- € aus der Parteikassa zahlen müssen, was noch dazu Schutz im In- und Ausland beinhaltet hatte. Außerdem wäre es sicher viel billiger gekommen, hätte man dem Krankenhaus einfach einen Aluhut aufgesetzt.

Natürlich muss man sagen, dass das Larifari und Humbug aus einer realitätsfernen, esoterischen Fantasiewelt ist. Und wenn man jetzt rational hergeht und vernünftig nachdenkt, bleibt eigentlich nur eine Alternative: Der Exorzist. Und wirklich hat Kardinal Schönborn per Twitter Alternativlösungen angeboten: “Wir sagen nur: Ein einfacher Segen wäre günstiger gewesen ;-)”. Die katholische Kirche auf ihrem Weg vom Marktführer zum Rabatt-Diskonter.

Segensreich aber auch die Vorstellung, um das Geld 8.636 Heimspiele zu besuchen. Oder um die 95.000,- € beim Leo auf der Friedhofstribüne ca. 190.000 mal aufs Klo zu gehen. Und das wäre angesichts seines 20-jährigen Jubiläums als bester letzter Mann würdig, recht und erleichternd.

Come on, Sport-Club!

Kieselsüchtige Koffer

Unsere Kolumne Jausengegner in den Alszeilen des Wiener Sport-Club: Heimspiel am 30.03.18 gegen SKN St. Pölten Juniors

Heute kommt St. Pölten. Willkommen! Fast ein bisserl untergegangen, die Nachricht, dass Peter Westenthaler ein weiteres Mal rechtskräftig verurteilt wurde. Diesmal zu einer unbedingten Haftstrafe, die er zumindest vier Monate absitzen muss. 120 Tage Schmalz, Hojac erhalt’s. Es ging um eine Fördermillion an die Bundesliga und eine Zahlung von 300.000,- der Österreichischen Lotterien an das BZÖ.

Da koffert man sich redlich ab und das ist dann der Lohn dafür. Aber zumindest hat Westenthaler jetzt Zeit, Rosa Luxemburg zu lesen: Freiheit ist immer die Freiheit der Anderen. Zum Beispiel eines anderen Kofferträges mit fescher Föhnfrisur.

Er ende als Hilfsarbeiter mit einer “akademischen Ausbildung”, sagte Ingenieur Westenthaler. D.h., er hat Matura und danach offensichtlich brancheneinschlägig ein paar Jahre gearbeitet. So gesehen hat er ein bisserl zu viel gearbeitet, sonst wär’s sogar was im Bundeskanzleramt geworden. Hingegen sieht er sein Leben zerstört und brachte in dem Zusammenhang auch den Tod seiner Schwester ins Spiel. Westenthaler und seinesgleichen modifizieren damit den alten französischen, absolutistischen Leitsatz zur Perfektion: Le Opfer c’est moi.

Wo wir andererseits doch genug aktuelles politisches Kleingeld abzuarbeiten hätten. Da kann dieses ewige Zurückschauen auf die Vergangenheit gar nix, außer stören. Deswegen sagen wir auch ganz klar, dass endlich Schluss sein muss mit dieser Vergangenheitsbewältigungshysterie, und bringen wir es doch ein für alle Mal auf den Punkt: Es war nicht alles schlecht unter Schwarz-Blau I. Sonst hört doch diese ewige Nachbohrerei nie auf und wir müssten uns die Frage stellen: Wer war jetzt von den Verantwortlichen der ersten Wende-Periode eigentlich noch nicht im Gefängnis? Und wie heißt die FPÖ jetzt wirklich? Freigänger Partei Österreichs?

Muss denn die Politik im Sport immer eine Rolle spielen? Ja, weil der Sport genauso gesellschaftlich relevant ist, wie alle anderen politischen Agenden. Nicht schlecht ist es aber, wenn das fähige Leute tun und keine kieselsüchtigen Koffer.

Come on, Sport-Club!