Liebes Tagebuch,

mein Bruder, der Martin, ist mir fremdgegangen. Und weißt du, was das Ärgste daran ist? Ich feiere das. Und wie ich das feiere.

Die Glückliche heißt Christina Berzaczy, aber der Martin darf schon liebevoll Chrissi zu ihr sagen. Dabei kennen sich die zwei noch gar nicht einmal so lange.

Nicht einmal ein Jahr ist es her, dass der Martin und die Christina sich zum ersten Mal gegenübergesessen sind. Ganz traurig haben sie damals dreingeschaut. Die zwei haben nämlich beschlossen, dass sie gemeinsam ein Theater haben wollen.

Das Blöde war nur: Sie hatten keines. Und weit und breit haben sie auch keines gekannt, das gerade niemand braucht.

Wie ich die beiden da so traurig vor sich hin winseln gesehen habe, habe ich einfach nicht anders können und dem Martin ganz dezent ins Ohr geflüstert, dass das ehrwürdige Theater am Alsergrund Ende 2025 seine Pforten schließen würde und dann dort doch eines frei wäre.

So schnell habe ich den Glitzerstaub vor meinen Augen gar nicht wegpusten können, da verwandelten sich mir gegenüber zwei Jammerlappen in zwei Grinsekatzen. Hex, hex!

„Ich hab’s“, hat der Martin gesagt, „wenn uns ein Theater fehlt und das am Alsergrund frei wird, dann übernehmen wir das und haben dann eines.“

Kluges Kerlchen, der Martin, haben die Christina und ich unverzüglich erkannt.

Jetzt haben wir’s. Also sie haben es. Und wie sie es haben. Seit diesem Augenblick nämlich waren der Martin und die Christina jeden Tag in ihrem neuen Theater.

Alles Mögliche umgebaut haben sie dort und sogar, ohne irgendjemanden zu fragen, einfach so die Wände angemalt. Wow!

Ob da nicht gerade die Kleinkunst ein kleines bisschen (und gleichzeitig ganz schön arg) neu definiert wird, wenn diese vorübergehenden Grinsekatzen sich nun auch noch in Arbeitstiere verwandeln und hier tatsächlich einen Raum schaffen, an dem sich Künstler*innen und Publikum wirklich wohlfühlen.

Bis 11. September müssen der Martin und die Christina aber fertig werden mit all ihren Vorhaben und Verwandlungen, denn da ist große Eröffnung. Sehr löblich.

Das finde nicht nur ich, sondern die zwei selber noch viel mehr. Deswegen haben sie ihr Theater auch gleich so genannt: Löblich.

Ich notiere mir hier einmal den Link zum Programm. Dann kann ich mir später noch überlegen, wie ich die Moped-Community herzlich dazu einladen könnte, schon bald vielleicht einmal im Löblich Theater Alsergrund einen Abend zu verbringen, gemeinsam mit Malarina, Anna Mabo, Sonja Pikart, Petra Hartlieb, Thomas Maurer, Mike Supancic, Christoph und Lollo, Klaus Eckel, Omar Sarsam, Gunkl, Fritz Cola oder Toast Hawaii. Oder mit der Christina. Oder mit dem Martin. Oder vielleicht ja auch mit mir.

Vorerst in aufrichtiger Ergebenheit
Dein Franz

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