Das brisante Burkaverbot

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Sind wir uns doch ehrlich. Seit Jahren versteht es ausschließlich unsere rechtspopulistische Minderheit im Lande, die wahren Probleme des kleinen Mannes und seiner mitgemeinten alleinerziehenden Billakassierin tatsächlich ernst zu nehmen: Rettung der Bundeshymne, Rettung der Käsekrainer, Rettung des Nikolo, Rettung der Ampelmännchen. Ja, das sind die großen Sorgen, die den kleinen Leuten alltäglich unter den Nägeln brennen. Neu hinzugesellt hat sich in diese Kiste das dringend zu lösende Problem der unübersehbar großen Masse an Burkaträgerinnen. Die Burka, eine Gefahr für uns alle? Der zwingende Zusammenhang der heimatlichen Vordenker: Terror.

Ja, da gehört hart durchgegriffen. Schließlich weiß man, die meisten Terroristen sind weiblich und tragen während ihrer grausigen Untaten unentwegt Burka. Das freiheitliche Weltbild erkennt in der Burka außerdem ein Symbol für die Unterdrückung der Frau: Man sieht damit doch so schlecht beim Kochen, Putzen und Bügeln.

Wir dürfen die Realität nicht wegblenden. Erst vor wenigen Wochen kam es in Dresden zu einem Anschlag auf eine Moschee. Nach rechtspopulistischer Logik gibt es darauf nur eine einzig richtige Reaktion: eine umgehende Diskussion über Kleidungsvorschriften für Klosterfrauen. Sicher ist sicher.

Diese Kolumne ist erschienen am 15.10.2016 in Der Moment 16/3 (‎Momentum – Kongress für kritische Wissenschaft)

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