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Neulich in Venedig: John Porno und der Baldrian

Unsere aktuelle Kolumne fotosafari auf kabarett.at.

Immer dann, wenn die Möwe Baldrian –
die offensichtlich angetan
vom Fortschritte der Menschheit –
mit Getös’ und laut gen Wind schreit:
„Da bleib’ ich lieber noch im Nest
und wart’, dass Piero was vom Fischen lässt!
Zuerst die Arbeit, dann Vergnügen?
Mein Piero straft euch gerne Lügen!
Jagt ihr nur an meiner statt,
des Fischers Fang macht mich schon satt!
Fliegt ihr nur, ihr Artverwandten,
schabt die Flügel euch an scharfen Kanten!
Seufzer ob der kargen Stücke?
Ich hör sie nur von dieser Brücke!

Dieses ist die Stadt der Liebe –
Herrn Casanova knospten hier die Triebe!
Morgens grüßt er mich: >Bon Giorno!<
Worauf ich (lässig): >Tach, John Porno!<

Theater, Kirchen und Museen …
Was gibt es hier nicht zu sehen?!
Die Muse küsst mich mehrmals täglich –
Euer Raubfang? Arm und kläglich!

Seht nur hier den Sitz der Dogen!
Bildung bildet – ungelogen!
Politisch lügt auch hier man sich in Taschen
tax- und pfandfrei rechte Flaschen.

So wahr ich aber Balduin bin:
Dem Leben bringt Kultur erst Sinn!
So weit nun die Moral der G’schicht –
allein: Das füllt den Bauch noch nicht!
Ah! Da kommen meine Leute –
Gut gejagt und Schluss für heute?
Ihr habt viel? Soll mich nicht erschüttern –
ich lass mich dann von Piero füttern!
Der hat nix, und ihr habt’s gesehen?!
Und ihr werdet jetzt essen gehen?!
Und ihr nehmt mich auch gar nicht mit?!
Und wer nix tut, dem g’hört ein Tritt …?!“

Immer dann, wenn Piero heimkommt ohne Fang,
sitzt Baldrian am Baldachin und trutzt – ganz lang …